Alles neu! Bonner Kneipen im neuen Gewand

Hervorgehoben

Liebe Bonner Kneipenfreunde, ihr werdet es gesehen haben: welovepubs.de hat seit heute ein völlig neues Design.

Deshalb Achtung:

Wenn ihr diese Seite lest, dann befindet ihr euch im alten Design auf der auslaufenden Domain! Hier geht´s zur neuen Seite:

==> www.welovepubs.de

Nach etwas mehr als zwei Jahren war es endlich Zeit für ein Facelifting. Dabei war es uns wichtig, dass am Ende ein sogenannter „One-Pager“ rauskommt, ihr also alle Beiträge endlos nach unten scrollend aufrufen könnt. Das Menü ist dafür nach links gewandert, enthält weiterhin die Schlagwortwolken zur Suche nach Biersorten oder nach einem bestimmten Ambiente. Neu ist eine Empfehlungsliste mit Links, die wir euch ans Herz legen, ihr findet sie ebenfalls im Menü.

Ein Ergebnis des Faceliftings ist aber auch, dass wir uns von welovepubs.wordpress.com und auch von welovepubs.com trennen werden. Durch Serverumzug liegen nun alle Daten auf http://www.welovepubs.de – falls ihr also noch einer der alten Endungen folgt – schnell ändern! Wir leiten zwar noch einige Zeit um, aber nicht ewig.

Viel Spaß mit dem neuen Design und wir hoffen, ihr findet auf unseren Seiten eine schöne Kneipe oder Bar in Bonn!

Holger/ We love Pubs!

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„Wir wussten immer, dass wir irgendwann raus müssen“

Ein Gespräch mit Sandra Hinze, Betreiberin des Café Kurzlebig Bonn

 

Das Bürgerbegehren „Viva Viktoria“ hat gewonnen, der Abriss des Bonner Viktoriakarrees scheint erst einmal abgewendet. Dennoch wird sich das Karree verändern, zu viele Teilstücke gehören bereits dem Investor, der Signa GmbH. Mit dem Café Kurzlebig hinter dem Bonner Rathaus ist es nun ausgerechnet eines der schönsten und gleichzeitig ungewöhnlichsten Cafés in Bonn, das zuerst schließen muss. Zum 31. März 2016 läuft der nicht verlängerte Mietvertrag aus. Wir haben mit Sandra Hinze, Betreiberin und eine der drei Gründern-/innen, gesprochen und waren überrascht, alles andere als tiefgeknickte Gesichter zu sehen.

Bonn cooles alternatives Cafe Kurslebig Bonn Zentrum Cafe mit gutem Frühstück Frühstückerei Abendbrot Craft Beer in Bonn Ale Mania Ratsherrn Pale Ale Rotbier


We love Pubs: Sandra, danke, dass Du so kurz vor eurer Schließung noch einmal Zeit hast! Magst Du kurz ein paar Worte zu Dir, Eurem Team und den Anfängen des Kurzlebig sagen?

Sandra: Klar, gerne. Ich fange mal mit unserem Lokal an, der Teil interessiert euch ja sicher mehr. Die Idee zum Kurzlebig kam uns zu dritt. Wir, das waren anfangs Laura, Koon-Sun und ich. Koon-Sun betrieb damals genau in diesem Lokal eine Nudelbar. Als dann im Karree die Abrisspläne konkret wurden, hat er nicht lange gezögert und sich eine neue Fläche gesucht. Aber sein Mietvertrag lief noch drei Monate. Da dachten wir: Irgendwas muss man in der Zeit doch machen. Da kam uns die Idee mit der Frühstückerei, das erschien uns anders, ungewöhnlich zu sein und doch realistisch umsetzbar. Der Name lag passend zur Situation auf der Hand, das Kurzlebig sollte ja nur eine Zwischennutzung für eine kurze Zeit sein. Der Start war dann wirklich ein Blitzstart, innerhalb von zwei Wochen ging es los. Überhaupt: Koon-Sun war hier erst mittwochs raus und das Kurzlebig freitags drin, das war wirklich irre schnell und auch sehr experimentell. Aber wir hatten ja wenig zu verlieren, denn die Pacht für die ersten drei Monate lief weiter über die Nudelbar und das es letztendlich fast vier Jahre werden, damit konnten wir ja nicht rechnen.

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We love Pubs: Das klingt tatsächlich nach einem Sprung ins kalte Wasser! Seid ihr denn als totale Neulinge gestartet oder hattet ihr Gastro-Vorerfahrung?

Sandra: Nein, nein, wir sind nicht total unwissend gestartet, ganz im Gegenteil! Mit Koon-Sun hatten wir ja einen Profi mit an Bord und auch ich habe fast zwanzig Jahre Gastroerfahrung…

(hier müssen wir Sandra leider ins Wort fallen – zwanzig Jahre? – wir sind irritiert…)

We love Pubs: Ähm, sorry, zwanzig Jahre, woher nimmst du die denn. Oder – auch wenn man es Frauen nicht fragt – wie alt bist Du denn?

Sandra (lacht herzhaft): Ich bin 35 und arbeite schon ewig in der Gastro, in allen Bereichen, habe lange gekellnert, war Betriebsleiterin einer Disco und nach meinem Studium – Eventmanagement in Köln – war ich lange im Außendienst-Vertrieb für Brown-Forman. Die haben z.B. Jack Daniel`s unter ihrem Dach, da sieht und lernt man viel. Aber die Erfahrungen aus dem Studium haben sicher auch geholfen, das Café Kurzlebig überhaupt bekannt zu machen. Das lief von Anfang an vor allem über die Netz-Community, da haben ganz viele Freunde und Follower sofort super reagiert, das hat uns den Start sehr erleichtert.

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We love Pubs: Gab es denn am Anfang Schwierigkeiten, das Kurzlebig zur Zwischennutzung zu eröffnen?

Sandra: Nein, wirklich fast gar keine. Das lief alles sehr unproblematisch, immerhin gab es ja eine gastronomische Vor-Nutzung und Umbaumaßnahmen waren auch nicht nötig. Die Stadt war sogar sehr kooperativ, auch die Schanklizenz haben wir schnell bekommen. Wir hatten ja von vornherein nicht nur Frühstück im Angebot, sondern wollten mit besonderen Produkten möglichst viele Gäste erreichen. Deshalb auch das Craft Beer, das wir mittlerweile ja stark ausgebaut haben.

We love Pubs: Von null auf hundert, innerhalb von zwei Wochen zur Chefin – wo lagen denn die ganz neuen und spannenden Erfahrungen?

Sandra: Oh, da muss ich nachdenken, davon gibt es viele. Was auf jeden Fall immer toll war: Im Kurzlebig bin ich total frei. Ich kann hier einfach machen, was ich will, eigene Ideen einbringen und austesten.

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We love Pubs: Eure Fläche gehört dem Investor Signa. Hat es euch geschockt, dass trotz erfolgreichem Bürgerbegehren so schnell die Kündigung kam?

(zugegeben, bei dieser Frage hatten wir uns innerlich auf eine enttäuschte oder wütende Sandra eingestellt, doch es kommt anders. Sandra zeigt sich total aufgeräumt, es ist kaum Enttäuschung und gar kein Frust spürbar)

Sandra: Ach nein, überhaupt nicht! Wir wussten immer, was kommt und dass wir irgendwann hier raus müssen. Wir hatten deshalb auch einen etwas anderen Blick auf das Bürgerbegehren, denn wir kannten die Besitzverhältnisse. Nach dem Bürgerbegehren hab ich mich eher gefragt: Warum jubeln die alle? Signa gehören die Flächen, natürlich werden die da so oder so etwas mit machen wollen. Und ganz ehrlich: Ohne Abrisspläne hätte ich diese Fläche doch nie für das Kurzlebig bekommen, dann hätte es das ganze Lokal ja nie gegeben.

We love Pubs: Gibt es denn konkrete Pläne, wie es weitergehen soll?

Sandra: Teilweise. Wir suchen natürlich schon seit den ersten Tagen. Und eine kleine Alternative gibt es auch. Ich betreibe schon seit einiger Zeit das Café Schwarz & Weiß im Bonner Kunstverein parallel, das wurde mir irgendwann angeboten, als es das Kurzlebig schon gab. Teile des Kurzlebig-Konzepts werden sicher auch dahin umziehen, z.B. das Craft Beer Sortiment, wenn auch etwas verkleinert. Das Schwarz & Weiß ist mehr Bistro, außerdem machen wir das Catering für die Abendveranstaltungen des Kunstvereins, aber auch für andere Events kann man unser Catering buchen. Geplant ist dort außerdem noch ein Brunch-Buffet. Insgesamt kann ich aber noch nicht ganz abschätzen, ob das Schwarz & Weiß alleine zum Leben reicht. Wenn nicht – dann suche ich mir eben noch einen richtigen Job! (Sandra lacht, man merkt, dass wirklich kein Groll oder Gram im Abschied liegt)

Aber wir suchen natürlich immer weiter nach einer neuen Location für das Kurzlebig, es ist einfach so gut in Bonn angekommen, dass wir es ungern aufgeben würden. Leider ist der Bonner Markt gerade viel zu teuer. Hier um die Ecke gäbe es ja z.B. das alte Goldbraun, aber das übersteigt unsere Möglichkeiten.

We love Pubs: Gibt es Optionen etwas außerhalb, z.B. in Beuel? Oder wäre gar Köln eine Möglichkeit?

Sandra: Ich bin ja sogar Beuelerin, das würde natürlich passen. Dennoch tue ich mit Beuel schwer, so sehr ich es mag. Ich hätte die Sorge, dass der Bonner den Weg über die Brücke scheut, während der Beueler ständig rüber nach Bonn geht. Schließlich lebt das Kurzlebig zurzeit von den Studis, die nun einmal hier sitzen, und auch von den vielen Gästen, die morgens zu Kaffee und Frühstück kommen und hinterher in der Stadt shoppen gehen.

In Köln ist tatsächlich vieles bunter, dort haben gute Konzepte auch in weniger guten Lagen eine bessere Chance. Aber ich komme nun einmal aus Bonn und kenne die Bonner gut, da will ich nicht weg und in einer anderen Stadt völlig bei null anfangen.

Und in Bonn muss man halt mitberücksichtigen, dass viele Gäste etwas weniger experimentierfreudig sind. Ein Beispiel: Wir haben zig abgefahrene, super leckere Frühstücksvarianten auf der Karte – der Renner ist jedoch das „08/15“ (PS: das kleine Frühstück heißt wirklich so!). Ich glaube, das gilt auch etwas für die Lage. Das in Kombi mit den Kosten und dem Wunsch, beim nächsten Café auch einen Außenbereich zu haben, das haben wir einfach noch nicht gefunden – (lacht) Aber Hilfe und Tipps sind immer willkommen!

We love Pubs: Wo wir gerade über Bonn sprechen – was fehlt Bonn gastronomisch?

Sandra: Ich glaube, für eine richtig gute Cocktailbar wäre noch Platz – etwa so wie das Shepheard in Köln. Ich könnte mir gut etwas in eine edle und doch schlichte Richtung vorstellen, mit ruhiger Atmosphäre, in der dem Gast im Zweifel auch der Cocktail extra kreiert wird. Oder in der der Fokus auf einem ganz besonderen Produkt liegt, z.B. Rum, Whiskey oder Gin. Natürlich gibt es da in Bonn schon gute Läden, z.B. bei Dave Flynn der Whiskey oder das Déjá Vú. Für Cocktails halte ich übrigens die Bar im Kameha gerade für die beste Adresse in Bonn. Platz für einen weiteren Laden wäre da dennoch noch.

We love Pubs: Wenn im Kurzlebig jetzt bald Schluss ist – was wären Deine drei Wünsche für die Zukunft?

Sandra: Da wäre natürlich zu erst einmal: Wir finden das Objekt, das zu einem neuen Kurzlebig passt, auf das wir selbst richtig Bock haben, bei dem man direkt Bilder und Ideen im Kopf hat. Und der Start muss dieses Mal organisierter sein, weniger spontan wie vor vier Jahren, denn das schlaucht doch. Überhaupt würde ich niemandem raten, so zu starten wie wir! (hier lacht Sandra herzlich) Der dritte Wunsch ist ein ganz anderer (lacht wieder): Endlich mal wieder in den Urlaub fahren! Der Job hier heißt: Siebentagewoche! In den letzten fast vier Jahren war ich eigentlich immer hier bei meinen Gästen.

We love Pubs: Danke für das Gespräch und ich glaube, ganz Bonn drückt euch die Daumen, dass es bald ein neues Kurzlebig an einem anderen Ort gibt! Und wir besuchen Dich auf jeden Fall im Café Schwarz & Weiß!

Kurzlebig Interview  (1)


Das vorliegende Interview haben wir handschriftlich mitgeschrieben und bei der Abschrift stellenweise aus stilistischen Gründen angepasst, so dass der Wortlaut teils verändert ist. Vorliegende Fassung wurde von Sandra Hinze autorisiert. Für alle, die weiterlesen wollen: Unseren Testbericht zum Kurzlebig findet ihr hier

OFF TOPIC: Quo vadis, Bonner Nachtleben? Gedanken zum Wandel in der Bonner Kneipenszene

Heute morgen erfuhr ich von der Schließung des Wespennests in der Bonner Südstadt und als ich dies twitterte, entbrannte sofort eine intensive Diskussion über die aktuellen Veränderungen in der Südstadt und im Bonner Kneipenwesen allgemein. Genau für derartige Diskussionen ist Twitter einfach wunderbar! Aber da letztendlich doch nicht alles in  140 Zeichen passt, möchte ich hier ein paar ganz persönliche Gedanken aufschreiben. Im Mittelpunkt soll eine einfache Überlegung stehen: Bonns Ausgehleben verändert sich. Aber wie und vor allem: Wie möchte ich persönlich denn, dass die Ausgehstadt Bonn in Zukunft aussieht? Vielleicht kann der folgende Text ja ein Anstoß zur Diskussion sein – vielleicht auch mit Blick auf das Barcamp Bonn in nicht einmal vier Wochen unter dem Motto „Bonn neu denken“.

Quiet Man Bonn guter Irish Pub Kneipe Weststadt gute kneipe für ein Date schönster Pub in Bonn

Früher war alles besser? Vorangestellt sei: Dieser Text soll kein „früher war alles besser“-Gejammere werden. Vielmehr stimmt, was Aziza (@Altstadtgericht) auf Twitter schrieb: Früher war einfach früher. Ich möchte vielmehr formulieren, wie ich mir Bonns Ausgehszene wünsche.

Wünsche eines Kneipenfans? Klar, ich mag Kneipen und echte Pubs, sonst hieße dieser Blog ja nicht We love Pubs. Andererseits geht es gar nicht um die Kneipe im Sinne der Eckkneipe, sondern um etwas, für das mir bis heute kein richtig guter Begriff eingefallen ist, um das abendliche Ausgehen in Lokalen, in denen man nett sitzt, die einen authentischen Charakter haben. Das kann die Bar ebenso sein wie das typische Bonner Lokal, in dem man morgens, mittags und abends gleichermaßen gut einkehren kann. Lokale dieser Art, das sind für mich Lokale wie z.B. das Café Blau (und ich weiß, dass man gerade über dieses trefflich streiten kann). Lange Rede, kurzer Sinn: Es geht mir hier um das Ausgehen an sich und nicht um Kneipen im engeren Sinne.

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Verändert sich Bonn denn wirklich so stark? Ich finde, ja. Aber Empfinden ist natürlich immer subjektiv. Fakt ist aber: Das Wespennest hat geschlossen, die alte Selige Witwe beherbergt heute ein veganes Café, in Poppelsdorf verdrängte eine Burgerkette aufgrund höherer Zahlungskraft (so munkelt man) das etablierte Fellinis, das Billa-Bonn in der Altstadt muss bald gehen und sucht gerade eine neue Bleibe, das Spleen in Poppelsdorf ebenso. und die Lokale im Viktoriakarree sind nur aufgrund einer beherzten Bürgerinitiative für diese Fläche dem Tod von der Schüppe gesprungen.

Also doch Gejammer? Veränderung ist normal und begrüßenswert, nicht alles althergebrachte kann bleiben, will man nicht eines Tages in einem Museum leben. Es geht nur um die Form der Veränderung und um das, was als Neues kommt. Veränderung ist gut, wenn sie eine Verbesserung darstellt. Klar, der Begriff Verbesserung alleine ist in alle Richtungen diskutierbar. Aber hier schreibt ein Kneipenblogger, also jemand, der ausgehen mit Charakter und Tradition mag, und aus meiner Sicht wünsche ich mit das Folgende für meine Ausgehstadt Bonn:

Bonn Maya gut ausgehen nette Bar Studentenkneipe mexikanisch Cocktails

Weniger Systemgastro! Hans im Glück, Sausalitos, Vapiano etc. etc. – Konzepte, die in jeder Stadt haargenau gleich aussehen. Will ich das in meiner Stadt? Worin liegt dann das Besondere an Bonn, also das, was ich andernorts nicht haben kann?

Keine gesichtslosen Flächen! Hier unterstütze ich die Initiative Viva Viktoria vollauf – kein Mensch braucht ein gesichtsloses Einkaufszentrum. Desaströse Bauten wie am Beueler Konrad-Adenauer-Platz zeigen hinreichend, dass sich hier Gastro nur schwer verpachten lässt und wenn, dann genau so wie im vorangegangenen Punkt angesprochen – häufig als Systemgastro. Fläche braucht für mich Charakter, ein Gesicht mit Spuren des Lebens!

Stadtviertel für alle bewohnbar machen! Am Beispiel der Bonner Südstadt zeigt sich für mich genau das, was man Gentrifizierung nennt: Studenten können sich dieses Viertel kaum noch leisten, junge und zahlungskräftige Familien ziehen nach (oder sind als ehemalige Studenten schon da), das Wesen des Stadtteils ändert sich. Das ist ja nicht an sich schlimm, aber der Stadtteil wird einheitlicher, weniger durchmischt. Gastronomisch gesprochen: Die Studentenkneipe wird zum veganen Café oder zur schicken Weinbar. Keine Frage: Bonn braucht auch vegane Cafés und colle Weinbars – aber eben auch die urige Studentenkneipe aus den 70ern. Für mich macht die Vielfalt ein Viertel lebendig.

Gastrofläche muss Gastrofläche bleiben! Eine weitere Tendenz: Was einmal Gastro war, wird Büro- oder Wohnfläche. Der Beueler Spanier O´Tapeo ist ein gutes Beispiel dafür. So wird Bonn zur Schlafstadt. Oder kennt jemand von euch eine Straße, in der es andersherum gelungen ist, eine Fläche neu zur Kneipe/Bar etc. umzuwidmen?

Den Kleinen eine Chance! Raucherschutzgesetz, Lärmobergrenzen, das Ordnungsamt täglich vor der Tür. Viele kleine Wirte haben auch deshalb zu kämpfen, weil sich die Bedingungen dahin geändert haben, dass sich ihr Konzept des Bieres-um-die Ecke nicht mehr trägt. Vielleicht ist es ok, dass man in der Zone nicht mehr rauchen darf, aber dann müssen die Gäste mindestens bei Bier und Zigarette draußen stehen dürfen, auch nach 22.00 Uhr. Auch solche althergebrachten Konzepte muss es in einer vielfältigen Stadt geben, man darf ihnen nicht immer neue Knüppel zwischen die Beine werfen.

Mehr mutige Konzepte! Die xte austauschbare Cocktailbar, eine weitere Shisha-Lounge – wirklich? Manchmal schaue ich nach Köln und denke: Wow, warum funktioniert das hier? Klar, Köln ist größer, aber das alleine zählt nicht als Argument, warum Bonn doch manchmal etwas hinten an steht. Münster – vergleichbar groß, ähnliche Strukturen – macht vor, wie es anders geht. Denn wo ist sie, die Bonner Craftbeer-Bar? Wo ist das Tap-Takeover? Wo die Mikrobrauerei mit ein paar Holzbänken, aber fünfzehn Fassbieren? Wo ist die Cocktail-Lounge, die wirklich chillig ist (stopp, das Déjá Vú und das Chimära zeigen hier wunderbar, wie es geht, bleiben aber Ausnahmen). Wo ist das Kitchen-Takeover? Wer traut sich Whiskey-Store und -Bar in einem zu eröffnen? Ich frage mich oft, warum neue Ideen in Bonn oft sehr langsam ankommen. Mehr Ideen wie das Township, das wäre toll!

Nun, jetzt habe ich wohl doch ein wenig gejammert. Aber wie seht ihr das? Was fehlt Bonn als Ausgehstadt, was würdet ihr euch wünschen?

Lieblingskneipe Bonn mit Kocheule und Drinklabor Ausgehen in Bonn Flynns Inn

OFF TOPIC: 10 Orte in Bonn…

Im Blog-Magazin severint.net sammelt Severin Tatarcyk zurzeit 10-Dinge-Listen von allen möglichen Orten dieser Welt. Eine tolle Idee, wahnsinnig viele Listen aus ganz verschiedenen Städten sind schon fertig und für Bonn finden sich ganz individuelle Top-10-Empfehlungen. Karin Krubeck hat auf bonngehtessen.de auch schon eine eigene Zehner-Liste erstellt. Was läge da für einen Kneipenblog näher, als diese schöne Idee zu kopieren und etwas abzuwandeln zu den…

10 Orten, an denen  man in Bonn ein Bier getrunken haben muss!

Nun dürft ihr das Bier auch gerne gegen ein anderes Getränk eurer Wahl tauschen. Wir finden lediglich, dass es einige Orte in Bonn gibt, die so wunderschön, einzigartig, verdreht oder atmosphärisch sind, dass man hier mindestens einmal gewesen und bei einem leckeren Drink das Hier und Jetzt genossen haben sollte! Als Orientierungshilfe haben wir unsere zehn Orte einfach jahreszeitlich organisiert.

Nr. 1: Im Januar/ Februar in die Rheinbrücke: Während der Session unbedingt rüber nach Beuel, dem Herzen des Bonner Karnevals, und mindestens einmal nach einer Sitzung den jecken Ausklang in der Rheinbrücke erleben! Was im November beginnt, steigert sich zum Jahresanfang vehement. In der Rheinbrücke steppt der karnevalistische Bär in der fünften Jahreszeit fast täglich, auf jeden Fall immer nach den Sitzungen im Brückenforum oder bei den Beueler Stadtsoldaten. Von jung bis alt schunkeln alle schon zu Zeiten heftigst mit, die der Nicht-Rheinländer nur entfernt mit Karneval verbindet. Wir finden: Das muss man erlebt haben, sonst kennt man den Bonner Karneval nicht!

Nr. 2: Im März ins Stadthüsje: Zugegeben, diese Empfehlung ist nicht an den Monat März gebunden. Aber irgendwann muss man ja mal für irgendeine Erledigung ins Stadthaus. Vormals, zu Zeiten langer Warteschlangen vor der Online-Terminvergabe, bot sich das Stadthüsje im inneren Lichtschacht zwischen den Stadthaus-Türmen zur Überbrückung der Wartezeit an. Aber auch heute sollte jeder Bonner einmal hier einkehren, einfach weil es so charmant-urig ist, irgendwo zwischen Beamten-Schick und Feierabendbier. Einzigartig – und als „Amt 99“ ein Teil der Bonner Stadtgeschichte!

Stadthaus Bonn Kneipe Stadthüsje

Nr. 3: Im April ins Pawlow: April bedeutet Kirschblüte und Kirschblüte in der Bonner Altstadt bedeutet Heerscharen an fotowütigen Touristen. Da sagen wir: Einfach an einen der Tische draußen vor dem Pawlow setzen, ein lecker Bier aus der Flasche trinken und dem Treiben entspannt zusehen. Und entspannt, das ist das Pawlow allemal, ein absoluter Gegenpol zum Kirschblüten-Wahnsinn!

Nr. 4: Im Mai in die Burg Lede: Der Frühling kommt und man will endlich raus ins Grüne. Schnappt euch dazu doch einfach eure Fahrräder und radelt rechtsrheinisch nach Bonn-Geislar. Hier findet ihr etwas versteckt die Burg Lede, die zwischen Frühling und Herbst am Wochenende die alten Burgmauern zu einer Mischung aus Café und Biergarten umwandelt. Der Burgherr schenkt selber aus, man sitzt malerisch und abgeschieden in mittelalterlicher Kulisse.

Burg Lede Bonn Beuel

Nr. 5: Im Juni/ Juli auf das Beueler Rheinufer: Der Sommer kommt mit Macht, die langen Nächte brechen an und es wird Zeit, den Grill hervor zu holen. Klar, das geht in Bonn vielerorts. Aber das Beueler Ufer mit seinen langen Sonnenstunden ist einfach unschlagbar, dazu bietet es einen wunderbaren Blick auf die Bonner Seite. Am besten trägt man den Grill und die dazugehörige Kiste Bier etwas weiter nördlich, vorbei am Bahnhöfchen und noch einige hundert Meter mehr, dann kann man den sommerlichen Sonnenuntergang recht ungestört genießen. Bier, Freunde, Rheinblick – Bonn kann im Sommer so schön sein!

Bier Grillen am Rhein Bonn Tipp Geheimtipp schöne Stelle

Nr. 6: Im August an die Siegmündung: Wenn der Sommer richtig heiß und – wie so oft in Bonn – schwül wird, dann darf es vielleicht etwas Abkühlung sein. Wer dem Rheindeich in Beuel bis zu seinem Ende folgt und dann doch etwa zwei bis drei Kilometer weiter durch verschlungene Pfade geht, der erreicht die Siegmündung. Eine malerische Stelle! Umgeben von schützenden Bäumen kann man hier die Füße in die kühle Sieg halten. Nur bitte nicht schwimmen, das gilt als sehr gefährlich. Dann lieber von innen abkühlen und bei einem kühlen Pils den Zusammenfluss von Rhein und Sieg genießen!

Nr. 7: Im September auf den „schwimmenden Biergarten“ der BPS: Es heißt langsam Abschied nehmen vom Sommer. Da darf es zum wehmütigen Ausklang noch einmal touristisch werden. Habt ihr als Bonner schon einmal an einer Schifffahrt auf dem Rhein teilgenommen? Ok, das sind eigentlich Kaffeefahrten auf dem Wasser. Man kann aber auch mit den „Disco-Lounge“-Touren der Bonner Personen-Schifffahrt fahren. Freitagabend. After-Job. Tanzfläche. Vier Stunden auf dem Rhein hinein in den Sonnenuntergang. Noch besser als zu tanzen finden wir, sich mit einem kühlen Getränk an eine stille Stelle des Schiffs zurückzuziehen und einfach den dahinströmenden Fluss zu genießen.

Disco Lounge BPS Bonn Filia Rheni

Nr. 8: Im Oktober auf den Kreuzberg: Wenn der Herbst naht und sich die Blätter färben, dann ist die Stimmung hier oben noch einmal besonders schön. Man kann die Kreuzbergkirche und die Replik der Heiligen Stiege besichtigen und dann leicht rechts von dieser versetzt am Hang sitzen, den Blick über Bonn und bei gutem Wetter bis zum Dom in Köln genießen. Dazu ein kühles Bier – herrlich!

Nr. 9: Im November in die Hopfenstube: Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, es ist grau und schmuddelig, vielleicht flieht der eine oder andere jetzt sogar besonders gerne zum großen Nachbarn Köln. Dann haben wir einen ganz exotischen Tipp: Kehrt einmal am Bahnhof in der Hopfenstube ein! Nein, auch wir finden, dass man hier keinen ganzen Abend verbringen muss. Aber etwas derartig Uriges wie die Hopfenstube finden man nicht oft: Echte Eckkneipen-Stimmung gepaart mit etwas zweifelhafter Bahnhofs-Atmosphäre in einem Bau aus den 1970ern (der Südüberbauung), aber auch mit einer verschnörkelten Kupfertheke im schönsten Gelsenkirchener Barock. Irre! Sollte aus unserer Sicht jeder Bonner einmal für ein Kölsch gesehen haben!

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Nr. 10: Im Dezember auf die Rheinalm: Der Winter naht und wie eigentlich jedes Jahr scheint er in Bonn dann doch nicht so wirklich anzukommen. Wer dennoch Winter-Feeling möchte, der kann die Alpen mit der Skihütte vor dem Kameha Grand in Oberkassel tauschen. Hier am Bonner Bogen ballen sind mittlerweile die schicken Lokale, so dass die Rheinalm neben Hütten-Feeling (es gibt tatsächlich Apres-Ski-Partys) auch zum Sehen-und-Gesehen-Werden taugt. Außerdem gibt es Sonne satt, denn Bonner Winter sind eigentlich nur eine Vor-Verlängerung des Frühlings und auf der Beueler Rheinseite kann man auch im Winter die maximale Sonnenzeit genießen.

Rheinalm Bonn Bonner Bogen Kameha Grand

Das wären also unsere zehn Orte. Und was macht man, wenn das Jahr zu Ende ist? Einfach von vorne starten – Zeit für einen guten Drink sollte doch irgendwie immer sein! 🙂

Lieblingskneipe! Mit „Breitnigge“ im Bonnum

Menschen, Kneipen, Portraits. Ein Projekt von We love Pubs

Lieblingskneipe Bonn Bonnum Altstadt Interview Breitnigge Stammtisch Twitter FC Bayern

Das Bonnum schenkt Augustiner vom Fass aus – das passt zu einem Fußballstammtisch!“


Der Gast: Breitnigge? Genau, Breitnigge! Wer in den 1980ern im Fußball sozialisiert wurde, der kam an Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge nicht vorbei. So ging es auch Oliver, den es trotz seiner Geburtsstadt Duisburg-Rheinhausen als Fan zum FC Bayern und nicht zum MSV zog. Irgendwann wurde aus dem Fan-Sein mehr als Stadionbesuch und Fernsehabend, der gelernte IT-ler begann Statistiken der Bayern online zu sammeln. Schließlich berichtete ein Kollege von der Möglichkeit des Bloggens und so erblickte zur Saison 2006/07 der Fußball-Blog Breitnigge das Licht der Welt. Der Name, den gab es zuvor schon hier und da in der Presse, er beschrieb den FC Bayern, seinen Stil und seine großen Stars der 80er so treffend, dass Oliver ihn zum Blog ausbaute. Und breitnigge.de wuchs zu einem der führenden Blogs über den FCB, führte zu Interviews, Saisonprognosen in der Saisonbeilage des Fußballmagazins „11Freunde“ sowie Analysen zu Spielnachberichten im TV. Und bald wird man über Breitnigge auch lesen können, Oliver arbeitet an einem persönlichen Buch über das Leben als Bayern-Fan. Ein Leben mit dem Fußball also, seine Frau trägt es mit, dafür zogen beide für ihren Job vor etwa zehn Jahren nach Bonn. Der Blog blieb, auch wenn er mittlerweile Familie und Beruf geschuldet etwas weniger intensiv betrieben wird. Statt langer Berichte beschränkt sich Oliver heute vor allem auf Diskussionsanstöße. „Irgendwann will man dann das Digitale in die reale Welt ziehen, die Menschen hinter Blogs und Twitternamen sehen“, also engagierte sich Oliver erst im Kölner Stammtisch der Fußballblogger und -twitterer und gründete schließlich einen eigenen Bonner Stammtisch, den TweetPass Bonn (tpbn).

Die Kneipe: Das Bonnum kennen viele Bonner noch unter dem Namen „Klein Bonnum“. Aus der klassischen Kneipe ist mittlerweile ein Mittelding zwischen Kneipe und Restaurant geworden, die Gäste haben sich mit dem Lokal verändert und aus den Studenten von einst sind vor allem Gäste in ihren 30ern und 40ern geworden. An klassischen Holzmöbeln sehen wir viele kleine Gruppen, die zum Essen oder auf ein gutes Bier hier einkehren. Optisch wird das Kneipige im Bonnum barig untermalt, Bilder aus Kuba zieren die Wände, das Lokal wirkt offen und hell.

Die Gründe: Wenn Oliver zu Breitnigge wird, dann geschieht das entweder online oder im Bonnum, denn hier trifft sich der von ihm initiierte Twitter-Fußball-Stammtisch tpbn. Und so erhalten die anonymen Twitternamen hier ein Gesicht. Deshalb schlug Oliver für unser Treffen das Bonnum vor, denn so viel Zeit für andere Kneipen bleibt neben Beruf und Familie nicht. Außerdem gibt es im Bonnum Augustiner vom Fass, „das passt zu einem Fußballstammtisch und irgendwie auch zum FC Bayern“.

Die Links: …zu unserem ausführlichen Bericht über das Bonnum in der Bonner Altstadt …zur Homepage des Bonnum …zu Olivers Blog breitnigge.de (ein Muss für alle FC-Bayern-Fans, aber auch für alle anderen Fußball-Freunde spannend) … zum dazugehörigen Twitter-Account mit aktuellen Bayern-News unter @breitnigge. Und auch Olivers Frau bloggt. Wer also wissen will, wie es rund um den Bayern-Blogger aussieht, findet dies unter ihrem Blog „Rosas Welt“. Alle Informationen rund um den TweetPass-Stammtisch findet ihr auf Twitter unter @tpbonn.

Die Bilder: Als wir die Bilder von unserem Treffen mit Oliver durchsahen, fiel uns zu allererst auf, wie wenig sich Olivers Körperhaltung zwischen den Bildern veränderte. Und doch sagte uns unsere Erinnerung, dass wir im Bonnum mitten in lebhaften Diskussionen über Fußball, Blogs und dem Leben überhaupt standen. Dadurch wurde uns klar, wie sehr Oliver in sich ruht und hinter dem steht, was er tut. Gleichzeitig lässt seine zwischen Ernsthaftigkeit und verschmitztem Lächeln wechselnde Mimik erahnen, wie wichtig ihm die Sache ist, wie sehr ihm der FC Bayern und der Fußball an sich am Herzen liegt. Denn Fußball ist – das weiß jeder Fan – kein Thema für nebenbei, Fußball ist Lebensgefühl und man spürt bei Oliver diese Ernsthaftigkeit in der Sache. Oder, wie es im Breitnigge-Blog heißt: „Ärmel hoch, Stutzen runter!“

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