Limão / Bad Godesberg / Moltkestraße

Wenn man seit 1999 in Bonn lebt und seit zwei Jahren einen Kneipenblog betreibt, aber das Limão in Bad Godesberg nicht kennt, dann ist irgendetwas falsch gelaufen, oder? Ja, ist es, und es bleibt ein Rätsel, warum wir diese sensationelle Bonner Cocktailbar bisher nur vom Hörensagen kannten. Aber jetzt  – endlich – nach einem Besuch bei den Kammerspielen Godesberg kehrten wir bei Bonns einzigem Brasilianer ein!

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Wir sagen vorweg: Ein tolles Lokal, ohne Zweifel eine der schönsten Bars in Bonn! Auch für alle Nicht-Godesberger lohnt die ggf. als weit empfundene Fahrt hier in den Süden Bonns. Oder verbindet den Besuch mit einem Theaterstück oder einem Kinofilm: Kammerspiele und Kinopolis liegen um die Ecke und der Godesberger Bahnhof schräg gegenüber.

Warum wir hier neben Déjá Vu und Chimära den dritten echten Bar- und Cocktail-Geheimtipp in Bonn sehen? Erzählen wir euch gerne!

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Die Atmosphäre: Sanftes grünes Licht, an den Wänden Bilder vom Zuckerhut, dazu dezente Hintergrundmusik, Latino gemischt mit Pop, niemand muss die Musik überschreien, das alles versprüht ein chilliges Bargefühl. Man merkt, dass hier nicht sehen und gesehen werden im Mittelpunkt stehen, sondern Getränke und Gespräche. Der Gast wird am Eingang freundlich empfangen, sollte mal kein Tisch frei sein, lädt die individuell gestaltete Theke aus grünen Glasbausteinen und Baumstammhockern mit Sattelbezug (saucool!) zu einem ersten relaxten Drink ein. Alles wirkt lebhaft, die Kellner mixen und eilen hin und her, immer wieder werden lecker aussehende Gerichte aus der Küche vorbeigetragen (zur Qualität der Küche findet ihr mehr unter bonngehtessen.de). Man sitzt an Viertischen oder auf Lounge-Sesseln nahe der Theke. Doch, ganz zweifellos ist die Kombination aus Restaurant und Bar hier sehr gut gelungen!

SAMSUNG CAMERA PICTURES

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Der Service: Weltklasse! Wir sind selten so höflich und engagiert empfangen worden – und zwar nicht, weil man sich gezielt den Kneipenblogger umsorgte, sondern weil ganz einfach jeder Gast wirklich intensiv beraten wird. Wie sich später herausstellt (als wir uns dann als Blogger geoutet hatten), ist es mit Metin der Chef selber, der immer wieder von Tisch zu Tisch geht, Cocktails empfiehlt und sichtlich gerne ausführlich berät. Das Personal tut es dem Chef gleich, alles wirkt zwar eifrig, aber dennoch relaxed. Wir finden, so sollte eine Bar sein, in der man seinen Freitagabend gerne verbringt: Cool, entspannt, das Personal ist zu Scherzen aufgelegt, dennoch werden die Drinks schnell gebracht.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Die Getränke: Auch hier ein uneingeschränktes Lob! Gute Cocktails zu sehr fairen Preisen (6,50-9,50), dabei sogar großteils im günstigeren Bereich dieser Preisspanne. Ein extra Bereich der Karte ist Eigenkreationen gewidmet und wir tranken einen sehr sehr leckeren Limão-Mule sowie einen Biercocktail (Guinness, Scotch, Lemon). Landestypisch brasilianische/ südamerikanische Drinks finden sich ebenfalls auf der Karte, so ein Pisco-Sour, den man in anderen Bars wirklich selten findet, aber auch zwei brasilianische Biere (Brahma & Skol).

SAMSUNG CAMERA PICTURES

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Bleibt eigentlich nur die Frage, wie eine derart tolle Cocktailbar in Bonn so lange an uns vorbeigehen konnte. Wenn wir ganz verschämt und ehrlich antworten sollen: Godesberg ist uns einfach oft zu weit und steht ja auch nicht wirklich im besten Ruf. Aber wie fast immer widerlegt die Praxis das Gerede und die Bequemlichkeit. Deshalb der gute Vorsatz: Öfter raus in andere Stadtteile, man wird so oft positiv überrascht – so wie wir im Limão!

Deshalb unsere Meinung: Eine der Top-Adressen in Bonn für gute Cocktails und echtes Bargefühl – Hingehen!

Testtag: Freitag

Fass: Sion, Radeberger

Flasche: Brahma, Skol, Corona, Schöfferhofer

Besonderheiten: Happy-Hour (Cocktails 5,50) Mo.-Sa. zwischen 17.00 und 19.00 sowie ab 23.30. Tolle Cocktail-Eigenkreationen!

Advertisements

OFF TOPIC: Quo vadis, Bonner Nachtleben? Gedanken zum Wandel in der Bonner Kneipenszene

Heute morgen erfuhr ich von der Schließung des Wespennests in der Bonner Südstadt und als ich dies twitterte, entbrannte sofort eine intensive Diskussion über die aktuellen Veränderungen in der Südstadt und im Bonner Kneipenwesen allgemein. Genau für derartige Diskussionen ist Twitter einfach wunderbar! Aber da letztendlich doch nicht alles in  140 Zeichen passt, möchte ich hier ein paar ganz persönliche Gedanken aufschreiben. Im Mittelpunkt soll eine einfache Überlegung stehen: Bonns Ausgehleben verändert sich. Aber wie und vor allem: Wie möchte ich persönlich denn, dass die Ausgehstadt Bonn in Zukunft aussieht? Vielleicht kann der folgende Text ja ein Anstoß zur Diskussion sein – vielleicht auch mit Blick auf das Barcamp Bonn in nicht einmal vier Wochen unter dem Motto „Bonn neu denken“.

Quiet Man Bonn guter Irish Pub Kneipe Weststadt gute kneipe für ein Date schönster Pub in Bonn

Früher war alles besser? Vorangestellt sei: Dieser Text soll kein „früher war alles besser“-Gejammere werden. Vielmehr stimmt, was Aziza (@Altstadtgericht) auf Twitter schrieb: Früher war einfach früher. Ich möchte vielmehr formulieren, wie ich mir Bonns Ausgehszene wünsche.

Wünsche eines Kneipenfans? Klar, ich mag Kneipen und echte Pubs, sonst hieße dieser Blog ja nicht We love Pubs. Andererseits geht es gar nicht um die Kneipe im Sinne der Eckkneipe, sondern um etwas, für das mir bis heute kein richtig guter Begriff eingefallen ist, um das abendliche Ausgehen in Lokalen, in denen man nett sitzt, die einen authentischen Charakter haben. Das kann die Bar ebenso sein wie das typische Bonner Lokal, in dem man morgens, mittags und abends gleichermaßen gut einkehren kann. Lokale dieser Art, das sind für mich Lokale wie z.B. das Café Blau (und ich weiß, dass man gerade über dieses trefflich streiten kann). Lange Rede, kurzer Sinn: Es geht mir hier um das Ausgehen an sich und nicht um Kneipen im engeren Sinne.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Verändert sich Bonn denn wirklich so stark? Ich finde, ja. Aber Empfinden ist natürlich immer subjektiv. Fakt ist aber: Das Wespennest hat geschlossen, die alte Selige Witwe beherbergt heute ein veganes Café, in Poppelsdorf verdrängte eine Burgerkette aufgrund höherer Zahlungskraft (so munkelt man) das etablierte Fellinis, das Billa-Bonn in der Altstadt muss bald gehen und sucht gerade eine neue Bleibe, das Spleen in Poppelsdorf ebenso. und die Lokale im Viktoriakarree sind nur aufgrund einer beherzten Bürgerinitiative für diese Fläche dem Tod von der Schüppe gesprungen.

Also doch Gejammer? Veränderung ist normal und begrüßenswert, nicht alles althergebrachte kann bleiben, will man nicht eines Tages in einem Museum leben. Es geht nur um die Form der Veränderung und um das, was als Neues kommt. Veränderung ist gut, wenn sie eine Verbesserung darstellt. Klar, der Begriff Verbesserung alleine ist in alle Richtungen diskutierbar. Aber hier schreibt ein Kneipenblogger, also jemand, der ausgehen mit Charakter und Tradition mag, und aus meiner Sicht wünsche ich mit das Folgende für meine Ausgehstadt Bonn:

Bonn Maya gut ausgehen nette Bar Studentenkneipe mexikanisch Cocktails

Weniger Systemgastro! Hans im Glück, Sausalitos, Vapiano etc. etc. – Konzepte, die in jeder Stadt haargenau gleich aussehen. Will ich das in meiner Stadt? Worin liegt dann das Besondere an Bonn, also das, was ich andernorts nicht haben kann?

Keine gesichtslosen Flächen! Hier unterstütze ich die Initiative Viva Viktoria vollauf – kein Mensch braucht ein gesichtsloses Einkaufszentrum. Desaströse Bauten wie am Beueler Konrad-Adenauer-Platz zeigen hinreichend, dass sich hier Gastro nur schwer verpachten lässt und wenn, dann genau so wie im vorangegangenen Punkt angesprochen – häufig als Systemgastro. Fläche braucht für mich Charakter, ein Gesicht mit Spuren des Lebens!

Stadtviertel für alle bewohnbar machen! Am Beispiel der Bonner Südstadt zeigt sich für mich genau das, was man Gentrifizierung nennt: Studenten können sich dieses Viertel kaum noch leisten, junge und zahlungskräftige Familien ziehen nach (oder sind als ehemalige Studenten schon da), das Wesen des Stadtteils ändert sich. Das ist ja nicht an sich schlimm, aber der Stadtteil wird einheitlicher, weniger durchmischt. Gastronomisch gesprochen: Die Studentenkneipe wird zum veganen Café oder zur schicken Weinbar. Keine Frage: Bonn braucht auch vegane Cafés und colle Weinbars – aber eben auch die urige Studentenkneipe aus den 70ern. Für mich macht die Vielfalt ein Viertel lebendig.

Gastrofläche muss Gastrofläche bleiben! Eine weitere Tendenz: Was einmal Gastro war, wird Büro- oder Wohnfläche. Der Beueler Spanier O´Tapeo ist ein gutes Beispiel dafür. So wird Bonn zur Schlafstadt. Oder kennt jemand von euch eine Straße, in der es andersherum gelungen ist, eine Fläche neu zur Kneipe/Bar etc. umzuwidmen?

Den Kleinen eine Chance! Raucherschutzgesetz, Lärmobergrenzen, das Ordnungsamt täglich vor der Tür. Viele kleine Wirte haben auch deshalb zu kämpfen, weil sich die Bedingungen dahin geändert haben, dass sich ihr Konzept des Bieres-um-die Ecke nicht mehr trägt. Vielleicht ist es ok, dass man in der Zone nicht mehr rauchen darf, aber dann müssen die Gäste mindestens bei Bier und Zigarette draußen stehen dürfen, auch nach 22.00 Uhr. Auch solche althergebrachten Konzepte muss es in einer vielfältigen Stadt geben, man darf ihnen nicht immer neue Knüppel zwischen die Beine werfen.

Mehr mutige Konzepte! Die xte austauschbare Cocktailbar, eine weitere Shisha-Lounge – wirklich? Manchmal schaue ich nach Köln und denke: Wow, warum funktioniert das hier? Klar, Köln ist größer, aber das alleine zählt nicht als Argument, warum Bonn doch manchmal etwas hinten an steht. Münster – vergleichbar groß, ähnliche Strukturen – macht vor, wie es anders geht. Denn wo ist sie, die Bonner Craftbeer-Bar? Wo ist das Tap-Takeover? Wo die Mikrobrauerei mit ein paar Holzbänken, aber fünfzehn Fassbieren? Wo ist die Cocktail-Lounge, die wirklich chillig ist (stopp, das Déjá Vú und das Chimära zeigen hier wunderbar, wie es geht, bleiben aber Ausnahmen). Wo ist das Kitchen-Takeover? Wer traut sich Whiskey-Store und -Bar in einem zu eröffnen? Ich frage mich oft, warum neue Ideen in Bonn oft sehr langsam ankommen. Mehr Ideen wie das Township, das wäre toll!

Nun, jetzt habe ich wohl doch ein wenig gejammert. Aber wie seht ihr das? Was fehlt Bonn als Ausgehstadt, was würdet ihr euch wünschen?

Lieblingskneipe Bonn mit Kocheule und Drinklabor Ausgehen in Bonn Flynns Inn

Giornale/ Zentrum/ Kaiserpassage

Da We love Pubs nicht nur ein Blog über gute Kneipen in Bonn sein soll, sondern alle Formen von Ausgeh-Lokalen zusammentragen möchte, hat es uns mal wieder in eine Cocktailbar gezogen, nämlich in das Giornale in der Kaiserpassage.

Giornale Bonn Cocktail Tipp ausgehen in Bonn Cocktailbar

Die Kaiserpassage liegt zwar mitten im Zentrum Bonns, aber eher versteckt zwischen Kaiserplatz und Martinsplatz, also dem kleinen Platz an der Frontseite der Münsterkirche, von dem auch die Eingänge zum Roses und zum ENTE abgehen. Um das Giornale zu erreichen muss man die Passage einmal durchqueren und ziemlich mittig findet sich das kleine Lokal, das sich Café und Lounge nennt.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Das Giornale beherbergt eine wirklich kleine Fläche, lediglich drei 4er-Tische und einige Sitzhocker befinden sich in dem schmalen Lokal. Umgeben von einer Glasfront kann man die Kunden in der Passage beobachten, die komplette Wandseite wird von gleich zwei Theken eingenommen. Allerdings darf das Giornale auch die Gänge der Passage nutzen und hat den zentralen „Platz“ mit vielen weiteren Tischen gefüllt. Wer also im Winter bei Schmuddelwetter doch irgendwie „draußen“ sitzen möchte – bitteschön, Decken liegen bereit. Außerdem gibt es noch einen abgetrennten zweiten Teil des Lokals (hinter der nächsten Glasfront) mit Billard und elektronischem Dart.

Giornale Bonn Cocktail Tipp ausgehen in Bonn Cocktailbar Kaiserpassage

Die Karte des Giornale stellt etwa 50 Cocktails zur Auswahl, allerdings fiel uns beim verwendeten Alkohol keiner auf, der nicht Mainstream ist. Wir würden uns hier ja etwas individuellere Wege mit besonderen Marken wünschen. Aber natürlich gilt: Wenn es dem Gast gefällt…

Gleiches betrifft die Bierauswahl: Becks, Heineken, Salitos, San Miguel, Corona sehen wir allesamt als Modegetränke einer jüngeren Generation von Bar-Gängern (was ja völlig ok ist!), sie entsprechen anscheinend dem, was viele Menschen mit Bar und Cocktails verbinden. Daher rührt vermutlich auch der unweigerliche Latino-Touch, der aus unserer Sicht eigentlich nicht zum italienischen Ambiente des Café Giornale passt, der aber vielleicht erwartet wird, und sei es nur im Vorhandensein von Havana Club, San Miguel und Corona…

Cafe Lounge Giornale Bonn Cocktail Tipp ausgehen in Bonn Cocktailbar

Das italienische Flair des Café Giornale mit aufgemalten Venedig-Impressionen wirkt etwas gewollt und wird dazu noch von einem Spielautomaten, einem eher unnötigen TV-Bildschirm im Dauerbetrieb und Havana-Club-Deko durchbrochen. Das ginge vielleicht etwas konsequenter. Das betrifft auch die Musik: Radio-Pop via 1Live fanden wir persönlich jetzt weniger zum Konzept passend, aber vielleicht waren wir auch einfach zur falschen Zeit vor Ort.

Aber  wir haben die komplette Passagenfläche schon mehrfach gut gefüllt erlebt, vor allem am Wochenende und mit mehrheitlich jungen Gästen um die 20. Andererseits sind wir der Meinung, dass sich ein konsequentes Konzept immer durchsetzt.

Giornale Bonn Cocktail Tipp ausgehen in Bonn Cocktailbar Cafe Kaiserpassage

Deshalb unsere Meinung: Eine Cocktailbar im Zentrum von Bonn, die durchaus ihre Freunde hat, aber aus unserer Sicht auch noch Luft nach oben

Fass: Bitburger, Gaffel

Flasche: Beck´s, Corona, San Miguel, Salitos, Heineken, Erdinger

Besonderheiten: Sehr ausgedehnte Öffnungszeiten vom Morgenkaffee bis spät in die Nacht. Wir haben zwar keine Küche gesehen, aber man kann im Giornale auch essen, z.B. Pizzen oder Tapas.

Internet: Facebook

Uptown/ Zentrum/ Oxfordstraße

Braucht ihr einen Tipp für eine nette Cocktailbar in Bonn? Vielleicht ist das niegel-nagel-neue Uptown an der Oxfordstraße ja etwas für euch. Wir waren da und wollen euch diese neue Bar & Lounge in Bonn kurz vorstellen. Allerdings befindet sich im Uptown noch vieles im Fluss und die beiden (super netten!) Betreiber werden sicherlich noch einiges ändern. Trotzdem würden wir schon jetzt sagen: Hingehen und ausprobieren!

Cocktailbar Bonn Tipp gute Cocktails Uptown Oxforstraße Bonn

Vielleicht fragt ihr euch gerade, wo sich die neue Bonner Cocktailbar denn befindet. Kennt ihr die alte Lime Lounge an der Oxfordstraße? Falls ja: Ihr gehört vermutlich einer verschwindend kleinen Minderheit an! Denn trotz prominenter Lage hat der Vorbesitzer hier einen Laden an die Wand gefahren und über Jahre passierte rein gar nichts. Jetzt ist an der Oxfordstraße gegenüber dem Gericht wieder Leben eingekehrt und das ganze Lokal wurde umgestaltet, teils noch in letzter Sekunde, damit zum 31.12.2015 eröffnet werden konnte. Die Positionierung hier an der Oxfordstraße bietet viele Möglichkeiten, denn an der Schnittstelle zwischen Zentrum und Altstadt erreicht man das neue Uptown schnell vom Bus-Halt am Friedensplatz sowie von den Bahnen am Stadthaus und am Bertha-von-Suttner-Platz. Die Bahnen und die Oxfordstraße stören nicht, da man ohnehin nur drinnen sitzen kann.

Empfehlung Cocktail Lounge Bar Bonn Zentrum

Das Innere haben die beiden Betreiber sichtbar engagiert neu designt. Der schmale Hauptraum wird von einer in grünes Licht getauchten, schicken Theke bestimmt. Ihr gegenüber befindet sich eine erhöhte Empore mit Zweiertischen. Man schaut also zur einen Seite von oben auf die Theke und sieht den Barkeeper bei der Arbeit, dabei fallsicher abgetrennt von einem Retro-Geländer im gewollten Rost-Design. Zur anderen Seite kann man dem Treiben auf der Oxfordstraße zusehen. Viel Platz bietet der Thekenraum damit zwar nicht, aber das ließ sich für die Betreiber natürlich nicht ändern. Es finden sich vor allem Zweiertische und Barplätze, aber für eine Lounge ist das durchaus stimmig.

Cocktailbar Bonn Tipp gute Cocktails Uptown Oxforstraße Bonn

Falls dennoch eine größere Gruppe einkehren möchte, empfehlen wir eine Reservierung. Es gibt eine (!) gemütliche Sofalounge und ein zweiter Hinterraum bietet Platz an weiteren Zweiertischen. Dieser Raum lässt sich nach Bedarf schnell zur Tanzfläche umbauen. Das DJ-Pult deutet an, dass hier bald tanzwilligen Gästen eingeheizt wird. Die klare Trennung zwischen Theke/ Bar und Dancefloor finden wir übrigens super. Die allermeisten Lokale im Bonner Zentrum bieten entweder das eine oder das andere, orientieren sich also entweder Richtung Disco oder sind reine Bar. Trotz kleinem Raum könnte das Bonner Uptown hier also eine Lücke unter den Cocktailbars füllen.

Wirklich schön fanden wir auch die Deko im Eyes-Wide-Shut-Stil mit venezianischen Masken und großen Engelsflügeln an den Wänden oder einer Kobraskulptur im Vogelkäfig: Alles edel, schick, mit dem leichten Touch des Verbotenen.

Bar Lounge tanzen Cocktails Bonn Zentrum

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Schauen wir aber zum Kern einer Cocktailbar – den Cocktails. An ihnen entscheidet sich letztendlich, ob sich die Bar durchsetzt. Wir loben die sehr fairen Preise beginnend ab 6,90 Euro. Auch setzt die gut sortierte Karte nicht auf Masse – sehr schön! Allerdings haben uns die Cocktails auch nicht zu 100% vom Hocker gerissen. Ein wenig mehr Wumms wäre nett – wir sind keine harten Trinker, aber man muss den Alkohol schon schmecken. Außerdem könnte im Uptown etwas mehr auf das passende Glas geachtet werden (drei von vier Cocktails wurden im Chivas-Regal-Glas serviert), denn Ausgefallenes und Optik gehören bei Cocktails dazu. Gleiches gilt für den verwendeten Alkohol, der in allen Bereichen eher im Mainstream bleibt. Da wären z.B. Havana Club, Bacardi, Absolut, Jim Beam, Jack Daniel´s, Ouzo 12, Aperol, Martini – wir vermuten, dass bei einer Umfrage nach Rum, Wodka, Whisky, Aperitif etc. dies genau die Marken sind, die jeder kennt und jeder zweite im Schrank hat. Das könnte aus unserer Sicht noch etwas durch ausgefallenere Qualitätsprodukte ergänzt werden.

Cocktailbar Bonn Tipp gute Cocktails Uptown Oxforstraße Bonn

Cocktailbar Bonn Tipp gute Cocktails Uptown Oxforstraße Bonn

Ganz klar scheint auch die Ausrichtung des Uptown noch nicht zu sein, aber auch diese – also das Zielpublikum – erscheint uns wichtig. Wir könnten uns grob drei Richtungen vorstellen, in die sich die junge Cocktailbar entwickelt:

  • Variante 1: Ran an die Studenten! Zu einer jungen Bar im Zentrum passt ein junges Publikum. Und dann würden wir auch die Alkoholauswahl nicht mehr kritisieren, denn in diesem Fall zählt der Geldbeutel mehr. Das Ambiente passt hierzu bereits jetzt, ebenso die Musik zwischen RnB und Latino. Auch die geplanten Partys gehen in diese Richtung – aber Achtung, dann sollte sich das Uptown nicht verzetteln, wir sind nicht sicher, wie viel 80er noch in heutigen Studenten steckt, lieber die RnB und /oder Latino-Schiene durchhalten, ein Konzept wahren und gezielt auf Aktionen unter der Woche setzen, die sich an der Uni rumsprechen.
  • Variante 2: Ran an die zahlungskräftigen Jung-Berufstätigen! Sorry, wir wissen, dass nicht jeder neu Jobbende gleich haufenweise Geld verdient. Aber es gibt eine zahlungskräftige Gruppe um die 30, die vielleicht seltener ausgeht, aber dann auch etwas mehr Geld auszugeben bereit ist. Auch hier passen Ambiente, Musik und Grundgefühl der Bar schon jetzt wunderbar. Allerdings könnte für diesen Weg der edle Charakter unterstrichen werden, ohne direkt gewollt schicki-micki zu wirken (das hatten wir ja z.B. am Shaker´s kritisiert). Es soll gar kein roter Teppich sein (bloß nicht!), sondern einfach nur: Das unnötige Bling-Bling raus (Leuchtschilder im Fenster, großes TV), dafür Qualitätsmarken auf die Karte, die eben nicht jeder daheim im Schrank hat. Und am Style der Cocktails arbeiten.
  • Variante 3: Alles mitnehmen? Bitte nicht! Denn wir glauben, dass dies nicht klappen wird, eine klare Zielgruppe ist dann doch wichtig. Und dafür ist auch die Cocktail-Konkurrenz zu groß.

Was bleibt in der Summe? Ganz klar, geht hin ins Uptown an der Oxfordstraße, denn hier wird sich noch viel entwickeln und man merkt, dass Herzblut im Lokal steckt. Hier könnte eine richtig coole, loungige neue Cocktailbar für Bonn wachsen!

Cocktailbar Bonn Uptown Oxfordstraße

Deshalb unsere Meinung: Könnte eine echte Bereicherung und ein Tipp für alle Bonner Nachtschwärmer werden!

Testtag: Donnerstag

Fass: Bitburger, Gaffel

Flasche: Heineken, Salitos, Benediktiner-Weizen

Besonderheiten: Ganz neu seit Jahresbeginn 2016

Internet: Hier geht es zur Facebook-Seite der Uptown Bonn-Cocktailbar

 

 

OFF TOPIC: 10 Orte in Bonn…

Im Blog-Magazin severint.net sammelt Severin Tatarcyk zurzeit 10-Dinge-Listen von allen möglichen Orten dieser Welt. Eine tolle Idee, wahnsinnig viele Listen aus ganz verschiedenen Städten sind schon fertig und für Bonn finden sich ganz individuelle Top-10-Empfehlungen. Karin Krubeck hat auf bonngehtessen.de auch schon eine eigene Zehner-Liste erstellt. Was läge da für einen Kneipenblog näher, als diese schöne Idee zu kopieren und etwas abzuwandeln zu den…

10 Orten, an denen  man in Bonn ein Bier getrunken haben muss!

Nun dürft ihr das Bier auch gerne gegen ein anderes Getränk eurer Wahl tauschen. Wir finden lediglich, dass es einige Orte in Bonn gibt, die so wunderschön, einzigartig, verdreht oder atmosphärisch sind, dass man hier mindestens einmal gewesen und bei einem leckeren Drink das Hier und Jetzt genossen haben sollte! Als Orientierungshilfe haben wir unsere zehn Orte einfach jahreszeitlich organisiert.

Nr. 1: Im Januar/ Februar in die Rheinbrücke: Während der Session unbedingt rüber nach Beuel, dem Herzen des Bonner Karnevals, und mindestens einmal nach einer Sitzung den jecken Ausklang in der Rheinbrücke erleben! Was im November beginnt, steigert sich zum Jahresanfang vehement. In der Rheinbrücke steppt der karnevalistische Bär in der fünften Jahreszeit fast täglich, auf jeden Fall immer nach den Sitzungen im Brückenforum oder bei den Beueler Stadtsoldaten. Von jung bis alt schunkeln alle schon zu Zeiten heftigst mit, die der Nicht-Rheinländer nur entfernt mit Karneval verbindet. Wir finden: Das muss man erlebt haben, sonst kennt man den Bonner Karneval nicht!

Nr. 2: Im März ins Stadthüsje: Zugegeben, diese Empfehlung ist nicht an den Monat März gebunden. Aber irgendwann muss man ja mal für irgendeine Erledigung ins Stadthaus. Vormals, zu Zeiten langer Warteschlangen vor der Online-Terminvergabe, bot sich das Stadthüsje im inneren Lichtschacht zwischen den Stadthaus-Türmen zur Überbrückung der Wartezeit an. Aber auch heute sollte jeder Bonner einmal hier einkehren, einfach weil es so charmant-urig ist, irgendwo zwischen Beamten-Schick und Feierabendbier. Einzigartig – und als „Amt 99“ ein Teil der Bonner Stadtgeschichte!

Stadthaus Bonn Kneipe Stadthüsje

Nr. 3: Im April ins Pawlow: April bedeutet Kirschblüte und Kirschblüte in der Bonner Altstadt bedeutet Heerscharen an fotowütigen Touristen. Da sagen wir: Einfach an einen der Tische draußen vor dem Pawlow setzen, ein lecker Bier aus der Flasche trinken und dem Treiben entspannt zusehen. Und entspannt, das ist das Pawlow allemal, ein absoluter Gegenpol zum Kirschblüten-Wahnsinn!

Nr. 4: Im Mai in die Burg Lede: Der Frühling kommt und man will endlich raus ins Grüne. Schnappt euch dazu doch einfach eure Fahrräder und radelt rechtsrheinisch nach Bonn-Geislar. Hier findet ihr etwas versteckt die Burg Lede, die zwischen Frühling und Herbst am Wochenende die alten Burgmauern zu einer Mischung aus Café und Biergarten umwandelt. Der Burgherr schenkt selber aus, man sitzt malerisch und abgeschieden in mittelalterlicher Kulisse.

Burg Lede Bonn Beuel

Nr. 5: Im Juni/ Juli auf das Beueler Rheinufer: Der Sommer kommt mit Macht, die langen Nächte brechen an und es wird Zeit, den Grill hervor zu holen. Klar, das geht in Bonn vielerorts. Aber das Beueler Ufer mit seinen langen Sonnenstunden ist einfach unschlagbar, dazu bietet es einen wunderbaren Blick auf die Bonner Seite. Am besten trägt man den Grill und die dazugehörige Kiste Bier etwas weiter nördlich, vorbei am Bahnhöfchen und noch einige hundert Meter mehr, dann kann man den sommerlichen Sonnenuntergang recht ungestört genießen. Bier, Freunde, Rheinblick – Bonn kann im Sommer so schön sein!

Bier Grillen am Rhein Bonn Tipp Geheimtipp schöne Stelle

Nr. 6: Im August an die Siegmündung: Wenn der Sommer richtig heiß und – wie so oft in Bonn – schwül wird, dann darf es vielleicht etwas Abkühlung sein. Wer dem Rheindeich in Beuel bis zu seinem Ende folgt und dann doch etwa zwei bis drei Kilometer weiter durch verschlungene Pfade geht, der erreicht die Siegmündung. Eine malerische Stelle! Umgeben von schützenden Bäumen kann man hier die Füße in die kühle Sieg halten. Nur bitte nicht schwimmen, das gilt als sehr gefährlich. Dann lieber von innen abkühlen und bei einem kühlen Pils den Zusammenfluss von Rhein und Sieg genießen!

Nr. 7: Im September auf den „schwimmenden Biergarten“ der BPS: Es heißt langsam Abschied nehmen vom Sommer. Da darf es zum wehmütigen Ausklang noch einmal touristisch werden. Habt ihr als Bonner schon einmal an einer Schifffahrt auf dem Rhein teilgenommen? Ok, das sind eigentlich Kaffeefahrten auf dem Wasser. Man kann aber auch mit den „Disco-Lounge“-Touren der Bonner Personen-Schifffahrt fahren. Freitagabend. After-Job. Tanzfläche. Vier Stunden auf dem Rhein hinein in den Sonnenuntergang. Noch besser als zu tanzen finden wir, sich mit einem kühlen Getränk an eine stille Stelle des Schiffs zurückzuziehen und einfach den dahinströmenden Fluss zu genießen.

Disco Lounge BPS Bonn Filia Rheni

Nr. 8: Im Oktober auf den Kreuzberg: Wenn der Herbst naht und sich die Blätter färben, dann ist die Stimmung hier oben noch einmal besonders schön. Man kann die Kreuzbergkirche und die Replik der Heiligen Stiege besichtigen und dann leicht rechts von dieser versetzt am Hang sitzen, den Blick über Bonn und bei gutem Wetter bis zum Dom in Köln genießen. Dazu ein kühles Bier – herrlich!

Nr. 9: Im November in die Hopfenstube: Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, es ist grau und schmuddelig, vielleicht flieht der eine oder andere jetzt sogar besonders gerne zum großen Nachbarn Köln. Dann haben wir einen ganz exotischen Tipp: Kehrt einmal am Bahnhof in der Hopfenstube ein! Nein, auch wir finden, dass man hier keinen ganzen Abend verbringen muss. Aber etwas derartig Uriges wie die Hopfenstube finden man nicht oft: Echte Eckkneipen-Stimmung gepaart mit etwas zweifelhafter Bahnhofs-Atmosphäre in einem Bau aus den 1970ern (der Südüberbauung), aber auch mit einer verschnörkelten Kupfertheke im schönsten Gelsenkirchener Barock. Irre! Sollte aus unserer Sicht jeder Bonner einmal für ein Kölsch gesehen haben!

pub 4

Nr. 10: Im Dezember auf die Rheinalm: Der Winter naht und wie eigentlich jedes Jahr scheint er in Bonn dann doch nicht so wirklich anzukommen. Wer dennoch Winter-Feeling möchte, der kann die Alpen mit der Skihütte vor dem Kameha Grand in Oberkassel tauschen. Hier am Bonner Bogen ballen sind mittlerweile die schicken Lokale, so dass die Rheinalm neben Hütten-Feeling (es gibt tatsächlich Apres-Ski-Partys) auch zum Sehen-und-Gesehen-Werden taugt. Außerdem gibt es Sonne satt, denn Bonner Winter sind eigentlich nur eine Vor-Verlängerung des Frühlings und auf der Beueler Rheinseite kann man auch im Winter die maximale Sonnenzeit genießen.

Rheinalm Bonn Bonner Bogen Kameha Grand

Das wären also unsere zehn Orte. Und was macht man, wenn das Jahr zu Ende ist? Einfach von vorne starten – Zeit für einen guten Drink sollte doch irgendwie immer sein! 🙂