Sonjas/ Zentrum/ Friedrichstraße

Sonjas Kneipe Bonn Zentrum Friedrichstraße

Wir waren endlich im Sonjas, nachdem wir viel zu lange nur vorbei geschlendert sind. Und es wird niemanden überraschen, dass wir positiv über dieses Lokal berichten, denn die Bonner City, also den engeren Einkaufsbereich im Stadtzentrum, sehen wir häufig kritisch und freuen uns über jedes Lokal, das hierhin Leben bringt. Wir wollen deshalb diesen Bericht etwas allgemeiner anfangen, von groß zu klein:Sonjas Kneipe Bonn Zentrum Friedrichstraße

Die Bonner Innenstadt … ist uns viel zu ruhig, durchwächst immer systemgastronomischer und bietet viel zu wenige Lokale, in denen man nett und bei individuellem Charme ausgehen kann. Eine Ausnahme bildet hier sicherlich die Sterntorbrücke als Ausgeh-Hotspot (mindestens quantitativ), daneben verliert Bonn aus unserer Sicht mehr und mehr sein individuelles Gesicht und wird so austauschbar wie fast jede andere deutsche Großstadt.

Die Friedrichstraße … lag lange im Schatten des Bonner Zentrums, hat sich nach der Renovierung vor einigen Jahren jedoch zur Prachtstraße mit schicken Geschäften und einigen Lokalen entwickelt. Dabei ist es gelungen, hier neben teils hochkarätigem Einzelhandel auch die alteingesessenen Lokale zu erhalten und diese nicht dem Drang der Großen zum Opfer fallen zu lassen. Die Friedrichstraße ist wirklich ein Highlight in Bonn!

Sonjas Kneipe Bonn Zentrum Friedrichstraße 

Das Sonjas … Liegt also genau hier an der Friedrichstraße und ist eben eines der alteingesessenen Lokale, besteht hier seit 18 Jahren, aber es kann auf weitere zehn Jahre am Dreieck zurückblicken. Vom Typ ist das Sonjas die gehobene Eckkneipe für den Stammkunden aus dem Stadtveedel – und obwohl das Zentrum ja kein echtes Veedel ist, fühlt sich der Besuch im Sonjas sehr vertraut an und Gäste, Wirtin und das freundliche Personal kennen sich offenbar von vielen Besuchen gut. Man kann ordentlich essen, die Preise sind fair, die Getränkekarte bietet vor allem Auswahl an Wein, Spirituosen und Bier (Bitburger, Peters, Andechser, Erdinger – und nein, wir sagen jetzt nichts, wir akzeptieren einfach mal, dass der deutsche Kunde genau das will und verweisen nicht auf unsere Träume von Biervielfalt… wobei: in das Sonjas passt diese Auswahl und Andechser ist durchaus ein Highlight!). Im hellen Innenraum wechselt die Dekoration saisonal, aber auch außen sitzt man im Sommer sehr nett und kann den Bonnern auf der Friedrichstraße beim Flanieren zusehen. Die große straßenseitige Fensterfront lässt sich weit öffnen, so dass Lokal und Außenbereich im Sommer ein offenes Ganzes bilden. Gespickt ist das Lokal mit kleinen Details, die wir an Kneipen dieser Art so schätzen, z.B. von der Wirtin selbst eingelegte Olive oder einem großen Korb mit Erdnüssen, aber auch der Jazzreihe SonJA`ZZ (Details bitte im Sonjas erfragen). Und wie wir wissen ist Karneval in Bonn hier stets full house. Das Sonjas ist also genau die Art von Lokal, das wir uns in der Innenstadt viel häufiger wünschen: eine authentische, gewachsene Kneipe mit freundlichem Service, alteingesessenem Kundenstamm und einer Auswahl, die leicht über den Standard hinausgeht und gerade dadurch Liebe zum Detail und zum Kneipenleben zeigt. Schön! Wollt ihr übrigens noch wissen, warum das Lokal Sonjas heißt? Ist eigentlich einfach, die Wirtin heißt so… 😉

Wer geht so hin … Es wird jetzt vermutlich niemanden überraschen, dass das Sonjas an der Friedrichstraße vor allem Gäste über 40 anzieht – das stellt an dieser Stelle jedoch keine Kritik dar, sondern ist nach unserer Beobachtung einfach so und passt auch zum Haus: Typ Kneipe um die Ecke, Getränkeschwerpunkt auf Wein, Bier, Spirituosen, Jazzabende etc. etc., das alles richtet sich nun einmal an das Publikum ab dem mittleren Alter. So erklärt es sich, dass wenige Studenten oder Mitzwanziger den Weg ins Sonjas zu finden scheinen.

Minimale Kritik … Wir hatten einen wirklich schönen Abend in einer sehr netten Friedrichstraßen-Kneipe, die folgende Kritik ist deshalb durchaus Jammern auf hohem Niveau. Uns störten am Sonjas lediglich die zwei Spielautomaten an der Wand – denn so eine Art Eckkneipe ist das Sonjas nicht und braucht diese Form der Trinker-Individualunterhaltung eigentlich auch nicht. Unser Tipp: einfach abbauen (ach ja, sagten wir jemals, was uns an Spielautomaten stört? Der Gast kommt alleine, hockt alleine vor dem Kasten, trinkt alleine seine drei Pils – ne, so stellen wir uns Kneipenleben nicht vor).

 

Deshalb unsere Meinung: schöne, authentische Kneipe im Sinne des Wortes, die Leben in die Stadtmitte bringt. Geht mal auf ein Kölsch hin!

Testtag: Donnerstag

Fass: Peters, Bitburger, Andechser

Flasche: Erdinger

Besonderheiten: SonJA`ZZ-Jazzabende in Bonn

Internet: www.sonjas-bonn.de

 

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Wespennest/ Südstadt/ Argelanderstraße


Zur Zeit kein regulärer Kneipbetrieb. Kann aber für Gesellschaften gemietet werden


Zum einjährigen Geburtstag von We love Pubs im Januar 2015 haben wir nach einem klassischen Ausgehviertel für den Geburtstagstest gesucht – und Kneipen in Bonn, da steht die Südstadt natürlich hoch im Kurs, und so waren wir im Wespennest (und anschließend noch im Lamme und im Zartbitter).

Wespennest Bonn

Die Bonner Südstadt, da denken wir an studentisches Ausgehen, viele nette Kneipen, junge Leute, gute Stimmung. Deshalb waren wir bei unserem Besuch auch wieder einmal überrascht, dass sich dieser Stadtteil offensichtlich im Wandel befindet und die Studis langsam verdrängt werden (was uns übrigens ein OFF TOPIC zu Bonner Ausgeh-Stadtteilen wert war).

Das Wespennest steht dabei fast schon beispielhaft für den Strukturwandel in Bonns Jugendstil-Prachtviertel. Seit 1981 an der Ecke Reuterstraße/ Argelanderstraße beheimatet, handelte sich um beim Wespennest lange um ein Lokal für ein-, aus- und umherschwirrende Studenten. Mittlerweile sind die Gäste jedoch mit der Kneipe groß geworden und wie vielerorts in der Südstadt zählt das Publikum mehr als 40 Lenze, so dass die Trink-Kneipe jetzt eher eine Mischung aus essen, trinken, gemütlich sitzen und klönen darstellt.

Der Innenraum zeigt sich sehr hölzern, rustikale Sitznischen dominieren: massive, helle Holztische mit festen Holzeckbänken. Das wirkt etwas gutbürgerlich, passt damit aber zur Speisekarte mit traditionellen Gerichten und auch zum Gesamtambiente aus gerahmten Photografien aus dem 19. Jahrhundert oder der Kaffeemühle an der Wand. Obwohl, Stichwort Ambiente: stellenweise erschien es uns etwas zusammengewürfelt, weil in der Grundanlage solide-hölzern-bürgerlich, aber auch durchbrochen von zwei sich umarmenden Porzellan-Schweinen, einer ausgestopften Gans… Außerdem fehlte uns ein wenig die Musik.

Das Publikum – und das Haus war voll! – kommt mittlerweile vermutlich eher zum Essen als zum reinen kneipigen Trinken, obwohl die Bierauswahl nicht schlecht ist: neben den etwas unspezifischen Angaben der Karte zu den Klassiker – hier heißt es nur „Pils“ und „Kölsch“ (PS: Jever und Früh) – werden vom Fass auch tschechisches Budweiser und Andechser Hell ausgeschenkt. Aus der Flasche gibt es noch Flensburger und Schneider Weisse. Die übrigen Getränke, z.B. der Whisky, fallen nicht weiter durch besondere Marken oder spezielle Auswahl auf.

Deshalb unsere Meinung: Durchaus ein Bonner Klassiker, aber vielleicht eher für die Kombination aus essen und trinken

Testtag: Freitag

Fass: Jever, Früh, Budweiser, Andechser Hell

Flasche: Flens, Schneider Weisse

Besonderheiten:

Internet: www.wespennest-bonn.de

Wespennest (2)

Harmonie/ Endenich/ Frongasse

Die Harmonie ist wieder einmal so ein Laden, über den jedes Wort ein Wort zu viel ist, da einfach jeder die Harmonie kennt. Wir wollen trotzdem ein paar Zeilen versuchen, fassen uns aber kurz.

Harmonie Bonn Endenich

Wie schon angedeutet: die Harmonie ist ein Endenicher Klassiker und bietet viel mehr als nur Kneipe – mehrmals die Woche finden hier Konzerte und mehr statt. Diese kann man dann bei Peters Kölsch, Krombacher (Pils und Weizen), Guinness oder Andechser Hell, alles vom Fass, genießen. Das ist eine tolle Mischung und die Bierauswahl finden wir gut (aus der Flasche wird sie übrigens von Heineken und Scheider Weisse ergänzt). Die Konzerte bilden in der Regel keine nebenbei-Untermalung in der Kneipe, sondern finden separat in einem Nebenraum statt und kosten auch Eintritt, so dass man wählen kann, ob der Abend besser mit oder ohne Musik verbracht werden soll.

Neben den Bieren bietet die Getränkekarte natürlich auch alles andere, was der Bonner Gast gewohnt ist, ohne jedoch mit weiteren echten Highlights herauszustechen. Dafür soll die Küche der Harmonie gut sein.

pubs (19)

Im Sommer bietet der große Biergarten ein weiteres Highlight und vor allem sehr viel Platz, den man von der Vorderseite niemals erwarten könnte. Überhaupt ist die Harmonie innen viel größer als von außen zu erkennen.

 

Da Endenich ohnehin Veedel, Kulturzentrum und Ausgehmeile in einem ist, findet man die Harmonie auch stets gut gefüllt und im Publikum angenehm durchmischt, von Student bis Dozent, vom Urbonner bis zum Zugezogenem.

Ein kleines Haar in der Suppe dieser ansonsten grundweg stimmigen Kneipe haben wir dann aber doch gefunden: der Innenraum der Harmonie ist uns zu wenig gemütlich, da zu austauschbar, wenig speziell eingerichtet (bis auf die Konzertbilder und -plakate) und dazu sehr hell ausgeleuchtet.

Trotzdem bleibt unsere Meinung: Ein Klassiker, den man besucht haben muss!

Testtag: Montag

Fass: Peters, Krombacher, Guinness, Andechser

Flasche: Heineken, Schneider Weisse

Besonderheiten: Vielfältiges Konzert- und Kulturprogramm.

Internet: www.harmonie-bonn.de

Treppchen/ Südstadt/ Weberstraße

„Nein, wir sind doch kein Brauhaus!“ – uns egal. Auch wenn der Wirt des Treppchens das so sieht: aus unserer Sicht entspricht diese Bönnsche Traditionskneipe voll und ganz dem Bild des rheinischen Brauhauses – dunkle Wandvertäfelungen, rustikales Mobiliar, traditionelle rheinische Küche, ein hektischer Köbes mit dem Charme des gewollten Nicht-Charme. Das Treppchen ist ein Brauhaus!

Treppchen

Obwohl wir es hier als Kneipe einsortieren, kommen viele Gäste zweifelsohne auch der gutbürgerlichen Küche wegen: Himmel un Ääd oder Halve Hahn passen nun einmal gut zum Kölsch.

Das Biersortiment umfasst mit Sion und Bitburger vom Fass zwei Klassiker (die wir übrigens eher kritisch sehen), aber mit Andechser vom Fass auch ein echtes Highlight!

Das Publikum besteht zwar mehrheitlich aus älteren Gästen, aber der Liebhaber klassisch rheinischer Lokale sollte altersunabhängig einmal hier hereingeschaut haben. Das gilt umso mehr, da das Treppchen ein echter Bonner Klassiker ist und schon seit dem späten 19. Jahrhundert an selber Stelle besteht. Das Gebäude ist original und hat den Weltkrieg überstanden.

Natürlich passt auch die Atmosphäre im Treppchen zu unsrer Einschätzung, dass es sich hier sehr wohl um ein Brauhaus handelt: der große Kneipraum lärmt bei voll besetztem Lokal von allen Tischen, die Stimmung ist hektisch und laut. Ein wenig fühlt man sich wie in Köln. Wer hier also einen ruhigen Platz an der Theke sucht, der dürfte enttäuscht werden.

Im Sommer bietet das Treppchen im Innenhof einen tollen, intimen Biergarten. Da dieser von der Straße nicht erkennbar ist, finden sich hier vor allem Kenner des Lokals.

Deshalb unsere Meinung: sollte man gesehen haben!

Testtag: Freitag

Fass: Sion, Bitburger, Andechser Hell und Andechser dunkler Doppelbock

Flasche: Schneider Weisse

Besonderheiten: Sonntag Ruhetag. Am Wochenende besser reservieren

Internet: http://www.zum-treppchen-bonn.de

Kess/ Kessenich/ Burbacher Straße

Wenn wir eine Überraschung des Monats kürten – das Kess wäre es! Als wir zuletzt vor einigen Jahren diese Veedelskneipe schon einmal besuchten, entsprach sie eher der Spelunke um die Ecke. Heute jedoch präsentiert sich das Kess ganz im Sinne des Wahlspruchs am Eingang als „Kneipe mit Charme“. Deshalb finden wir: hier in Kessenich befindet sich ein Geheimtipp der Bonner Kneipen, etwas für Fans der echten Bierkneipe von nebenan!

Und warum das so ist? Durch die seit zwei Jahren neue Leitung des Kess ist das Interieur lebendiger geworden. Der kleine Thekenraum wurde durch kuschelige Sessel und gemütliche Ecken aufgewertet. Vielleicht zeigt das Kess in seiner Einrichtung keine klare Linie, aber gerade das bewirkt den Charme des gewachsenen Schönen sowie den urigen Charakter. Ganz klar eine richtig schöne, urige Kneipe in Bonn mit Charme!

Trotzdem bleibt das Highlight die Theke, die den Raum dominiert und an der sich das eigentliche Geschehen abspielt. Das Publikum besteht mehrheitlich aus dem Veedel, ist aber im Alter gemischt. Und trotz Veedel bleibt hier niemand allein, auch der „Imi“ nicht: blitzschnell waren wir als Nicht-Kessenicher im Gespräch, einfach weil wir angesprochen wurden: „Ja klar, die alte Eisdiele…“ – und plötzlich wird der aufgeschnappte Satz Gesprächsthema der ganzen Runde. Das mag für den Kölner normal sein, in Bonn ist es nach unserer Erfahrung jedoch eher die Ausnahme. Einfach toll! Eindeutig ein Ort für das gemütliche Feierabendbier in Bonn!

Obwohl die Auswahl an Fassbier eher 08/15-Stardard darstellt (Früh, Bit), wertet das abwechslungsreiche Flaschensortiment dieses Manko wieder auf (Andechser, Augustiner Hell, Astra Arschkalt & Astra Urtyp). Dazu Knabbereien auf den Tischen und Fußball auf mehren Bildschirmen.

Veedelscharakter mit charmaner Einrichtung, als Bier Klassiker und trotzdem Abwechslung, eine offene und herzliche Atmosphäre, nette Gespräche an der Theke – wir sind restlos überzeugt! Hier kann man in Bonn gut trinken gehen!

Deshalb unsere Meinung: Authentische Veedel, gelebtes Bönnsch, auf jeden Fall hingehen!

Testtag: Mittwoch

Fass: Früh, Bit

Flasche: Andechser, Augustiner Hell, Astra Arschkalt & Astra Urtyp

Besonderheiten: Fußball via Sky