Spitz/ Zentrum/ Sterntorbrücke

Wie nennt man sein Lokal, wenn es in einem spitz zulaufenden Eckhaus zwischen Sterntorbrücke und Oxfordstraße beheimatet ist? Richtig: passend zur Gebäudeform „Spitz“ – dazu noch ein kleiner Hund als Emblem auf der Karte angebracht, fertig ist das Wortspiel.

Spitz (1)

Das Spitz schließt die Kneipenstraße Sterntorbrücke am Rande des Zentrums mit Übergang zur Altstadt ab. Auch das Bönnsch, das Arco und der Club Himmel & Hölle liegen hier; Pendel und Sudhaus finden sich um die Ecke am Friedensplatz. Eine promininte Lage also! Dabei zählt das Spitz zu jener typischen Mischung von Lokal, die häufig in der inneren City beheimatet sind: man kann hier zu jeder Tageszeit einkehren und immer auch etwas essen, das Frühstück z.B. ist gut und auch die Speisekarte bietet angenehme Auswahl. Damit handelt es sich beim Spitz also nicht mehr um eine reine Kneipe, da wir es jedoch trotzdem vornehmlich als abendliches Ausgeh-Lokal sehen, soll es einen Platz in diesem Blog finden.

Spitz (3)

Aus Kneipen- und Ausgeh-Sicht möchten wir jedoch etwas Kritik üben: zwar ist die Lage zentral und man kann im Außenbereich wunderbar die Menschenströme an der Sterntorbrücke beobachten, innen sahen wir persönlich jedoch eine zu austauschbare Gastronomie: Neben der ganz witzigen spitzen Form findet sich hier eine Mischung aus Bar und Restaurant, die irgendwie beides nicht richtig ist. Eine große Theke dominiert, bleibt aber reiner Arbeitsbereich und niemand sitz und klönt an ihr. Die kleinen zweier Holztischgarnituren sind zweifelsohne praktisch und wurden an vielen Stellen zu größeren Sitzgruppen zusammengeschoben, dennoch wirkten sie dadurch auch etwas wie gehobene Mensabestuhlung. Und obwohl wir selber recht ordentliche Menschen sind, störte uns die preußisch-justierte Ausrichtung und Gradlinigkeit des Mobiliars – irgendwie entsteht so keine echte erholsame Stimmung zum Entspannen. Dass dazu die Kellnerin um 23.00 Uhr an den sehr nah stehenden Tischen rechts und links von uns mit zu viel riechbarem Scheuermittel reinigte, fügte sich ebenso ins Bild wie die ein oder zwei Grad zu kalte Innentemperatur. Nein, hier wäre gestalterisch aus unserer Sicht mehr möglich gewesen!

Allerdings bietet diese Form der Ausstattung den Vorteil, dass hier auch große Gruppen recht problemlos Platz finden. Da passt es natürlich, dass die zentrale Lage zu reichlich Laufkundschaft führt, der ein echtes Kneipengefühl im engeren Sinne vielleicht weniger wichtig ist.

Spitz (2)

Ach ja, das Publikum reicht alterstechnisch von bis – hier muss sich also niemand fehl am Platze fühlen. Auch die Bierauswahl befriedigte uns nur teilweise: Sion und Krombacher vom Fass sprechen einmal mehr für eine unglückliche Brauereibindung, allerdings wird auch Köstritzer vom Fass ausgeschenkt und das ist natürlich einmal Mut zum Seltenen! Aus der Flasche gibt es leckeres Augustiner und Schneider Weisse, außerdem Berliner Weiße in zwei (vorgefertigten) Mischungen, dazu Heineken, Corona, Desperados und Becks. Also durchaus eine große Auswahl, aber auch viele gesichtslose Biere internationaler Großbrauereien – trinkt die Welt wirklich so gerne Heineken und Desperados??

Die Preise sind jedoch fair, vor allem unter Beachtung der zentralen Lage!

Deshalb unsere Meinung: nicht unser Favorit, aber eine Option, z.B. für größere Gruppen, die auch essen wollen und nicht unbedingt auf echtes Kneipen-Flair wert legen.

Testtag: Montag

Fass: Sion, Krombacher, Köstritzer

Flasche: Augustiner Hell, Schneider Weisse, Berliner Weiße (mit Schuss), Becks (allerdings Gold), Heineken, Corona, Desperados

Besonderheiten: —

Internet: http://www.spitz-bonn.de

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Zur Siegfähre/ Troisdorf (Siegaue)/ Zur Siegfähre

Heute wollen wir mal wieder einige Zeilen zu einem absoluten Biergarten-Highlight verfassen. Und bitte nicht abschrecken lassen: Das Restaurant mit angeschlossenem Biergarten „Zur Siegfähre“ liegt tatsächlich verwaltungstechnisch in Troisdorf-Bergheim, obwohl man hier gefühlt in Niederkassel ist und das Lokal am besten aus Bonn erreicht.

Die Lage ist dabei einmal mehr schier unglaublich: unweit der Siegmündung in den Rhein gelegen, befindet sich die „Siegfähre“ in der malerischen Siegaue, einem unbedingt sehenswerten Naturschutzgebiet um die alten Rhein- und Siegnebenarme. Hier zeigt sich einmal mehr: in und um Bonn lebt es sich einzigartig! Einziges Manko der Lage: man sieht vom Lokal aus die Straßentrasse der Hochstraße zwischen Bonn und Niederkassel, was jedoch kaum stört.

Dass die „Siegfähre“ wirklich an der Siegfähre, einer Ein-Mann-Seilfähre für Radfahrer und Fußgänger, liegt, muss vermutlich nicht extra betont werden. Man kann also gemütlich Rhein und Sieg entlang radeln und sich dann übersetzen lassen. Aber Achtung: abends beendet die Fähre unseres Wissens irgendwann ihren Dienst, dann muss man die Straße nehmen (diesen Zugang fanden wir etwas versteckt: man muss der Hochtrasse gute 500 Meter über die Sieg hinweg folgen und an der ersten Ampelkreuzung rechts abbiegen, um dann der Ausschilderung zu folgen).

Neben der tollen Lage müssen wir jedoch leider einige Kritikpunkte anbringen und uns @krazyivan anschließen: „Der Laden wirkt so, wie ich mir ein Ausflugslokal aus den 50ern vorstelle“. Denn die tolle, aber etwas abseitige Lage führt dazu, dass sich hier kaum junges oder studentisches Publikum findet, sondern eher Familien, Radreisende und Rentner. Das ist natürlich an sich völlig ok, aber die „Siegfähre“ hat sich äußerlich und im Angebot vielleicht etwas zu sehr darauf eingestellt: der Biergarten besteht aus schlichtem Plastikmobiliar auf Betonuntergrund und auch das Innere (also das Restaurant) versprüht als großes Glaskarre eher den Charme von Butterkuchenfahrten als von chilliger Location. Das alles fanden wir leider etwas lieblos. Auch die gutbürgerlich Speisenauswahl bleibt klassisch (Schnitzel, Pommes, Salat oder eben den Seniorenteller) – an sich kein Kritikpunkt, aber in der Summe entsteht doch der Eindruck, dass genau so das sonntägliche Ausflugsziel unserer Großeltern aussah. Dazu die Bedienung, die wir als etwa so charmant empfanden, wie man es in einem touristischen Lokal erwartet.

Die Bierauswahl reist leider auch nicht vom Hocker und bleibt mit Gaffel und Königsbacher klein, aber immerhin ein wenig ausgefallen, denn Königsbacher hat leider an Marktanteil verloren. Mit Gaffel-Sonnenhopfen wird aus der Flasche jedoch ein Highlight geboten. Sowohl vom Fass als auch aus der Flasche wird Franziskaner ausgeschenkt und als kleines Bonbon gibt es noch Berliner Weiße mit Schuss aus der Flasche. Ja, letzteres passt wirklich gut zu einem Sonnentag an der Sieg und deshalb wollen wir es ausdrücklich loben!

Wir bleiben also zwiegespalten in unserer Bewertung: einerseits ein charmantes, klassisches Speiselokal mit toll gelegenem Biergarten, das jedoch andererseits stellenweise eine Aufpeppung vertragen könnte.

Deshalb unsere Meinung: Unbedingt mal ausprobieren (schon der Lage wegen) und ein eigenes Bild machen

Testtag: Mittwoch

Fass: Gaffel, Königsbacher, Franziskaner (Naturtrüb)

Flasche: Gaffel Sonnenhopfen, Franziskaner (Dunkel und Kristall), Berliner Weiße mit Schuss

Besonderheiten: Die Lage!!!

Internet: http://www.siegfaehre.de

Siegfähre (1)

Siegfähre (2)

Siegfähre (3)

Schröders/ Beuel/ Rheinaustraße

Nicht-Beueler wissen es vielleicht nicht, aber zwischen Rheinlust und Bahnhöfchen liegt noch die schöne Kneipe „Schröders“, vom Treppenabgang der Kennedybrücke eigentlich nur wenige Meter entfernt und dennoch auf der rechten Rheinseite eher unbekannt, so scheint es uns. Aber zu Unrecht!

Schröders Bonn Beuel Schröders Bonn Beuel

Das Schröders in Bonn-Beuel ist einerseits echte Veedelskneipe und versammelt das Beueler Publikum, andererseits versprüht es jugendlich-frischen Charme. Wer an Veedel denkt, verbindet damit vielleicht eine staubige oder altbackene Einrichtung – aber zu unrecht! Natürlich ist das Schröders vor allem eine Kneipe für Beueler, aber das Ambiente ist alles andere als eingestaubt: Ledergarnituren, Stehtische mit Barhockern, eine den Raum bestimmende Theke mit viel Stehplatz für Gespräche, dazu warme rote Wandfarben und als Highlight eine musikalische Devotionaliensammlung des Who-is-Who der Rockgeschichte mit original Autogrammen. Deshalb unser Fazit zur Inneneinrichtung: sehr gut gelungen und vor allem die Plattensammlung an den Wänden sticht heraus!

Schröders Bonn BeuelSchröders Bonn Beuel

Man kann im Schröders allerdings nicht nur sehr nett im Inneren sitzen, sondern es gibt auch einen kleinen Außenausschank, der vor allem an besonders heißen Sommertagen Kühlung verspricht – da wir hier in der Beuler Schattenseite liegen, ist es außen für die ersten Sonnenstrahlen jedoch ggf. weniger nett.

Die Bierauswahl darf als angenehm bezeichnet werden: vom Fass treffen zwei Pilsbiere (Köpi & Bit) auf zwei Kölsch (Gaffel, Mühlen), wobei vor allem Königs Pilsener und Mühlenkölsch das Lokal aus unserer Sicht aufwerten. Aus der Flasche findet sich auf der Karte die Berliner Weiße (exotisch, aber Mut zur Auswahl freut uns natürlich!) und für die Freunde des Weizens Erdinger

Alle anderen Getränkewünsche (Cocktails etc.) werden aber auch erfüllt und eine Kleinigkeit zu essen ist auch drin. Da wir von Kneipen keine große Auswahl an Speisen erwarten, möchten wir die Küche des Schröders besonders loben: die Auswahl darf als kneipenecht bezeichnet werden – Burger, Currywurst, Pommes… . Wir empfehlen die Currywurst, die mehr als sensationell ist!

Das Publikum besteht eindeutig aus dem Beueler Veedel, umfasst aber alle Altersklassen. Der Jurist aus der Südstadt verirrt sich hierhin allerdings her seltener. Dementsprechend passt es, dass hier Fußball via Sky geboten und gelebt wird. Selbst an leeren Kneipenabenden lässt es sich der Wirt nicht nehmen, seiner Lieblingsmannschaft (die Gelben, nicht die Blauen… 😉 )  zu folgen – absolut authentisch! Dazu ist das Schröders auch Veedel im Sinne von gelebtem Stadtviertel: man ist schnell im Gespräch, der Wirt berichtet über Fußball oder seinen Hund (Mücke, der Kneipenhund) und überhaupt ist man schnell mittendrin.

Schröders Bonn Beuel

Deshalb unsere Meinung: Hingehen! Eine Freude für Freunde des modernen Veedels und auf jeden Fall für alle Fußballfans.

Testtag: Montag/ Mittwoch (Doppeltest)

Fass: Gaffel, Mühlen, Köpi, Bit

Flasche: Erdinger, Berliner Weiße

Besonderheiten: Fußball via Sky, gute Currywurst, Kneipenhund Mücke