Mühlen-Bar/ Köln/ Heumarkt

In allen Metropolen innerhalb und außerhalb Deutschlands scheinen die neuen Bierstile, die in der Regel als Craftbeer zusammengefasst werden, der Renner zu sein und eine junge Kneipengängerszene stürzt sich auf sie. Im Rheinland ist das etwas anders und wir müssen zugeben, dass wir in unserem Craftbeer-Report-Rheinland für die Hopfenhelden so einige Probleme hatten, entsprechende Lokale zusammenzutragen. Warum das so ist, steht in den Sternen. Es könnte der doch recht großen Brauhausdichte in Köln und Düsseldorf geschuldet sein oder schlicht einer eher konservativen Trinkeinstellung. Neben der von uns bereits beschriebenen Braustelle in Köln-Ehrenfeld geht jetzt aber auch die Malzmühle am Heumarkt neue Wege, nämlich mit der Eröffnung der Mühlen-Bar direkt neben dem Brauhaus.

Mühlen Bar Köln Craftbeer von Mühlen

Es wundert uns dabei nicht, dass gerade Mühlen diesen Weg geht. Wir finden ja, dass Mühlen Kölsch ohnehin für Qualität und einen eher kleinen Betrieb steht. Und jetzt gibt es hier eben auch ein hauseigenes Craftbeer, das „von Mühlen“, und neben dem Stammhaus gelegen die Mühlen-Bar als Anlaufpunkt für alle Kölner Craftbeer-Freunde.

Die Bierauswahl ist natürlich entsprechend riesig und der Gast kann zwischen 40 bis 50 Flaschenbieren wählen. Das Sortiment ist dabei nicht starr, sondern wechselt, denn man will Vielfalt bieten. Leider gibt es die „neuen“ Biere allesamt nur aus der Flasche und vom Fass weiterhin das Hausbier, also Mühlen-Kölsch. Dieses ist auch Grundlage einer besonderen Idee, die in Deutschland noch eher selten ist, dem Angebot von Biercocktails. Gemischt mit Mühlen-Kölsch finden sich so tolle Drinks wie der Kölschjito oder der Dawnbreaker (Mühlen + Rum + Brandy mit Rohzucker, Limette und Rosmarin) auf der zweiseitigen Biercocktail-Karte. Allein das lohnt den Besuch!

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Überhaupt will die Mühlen-Bar mehr Bar als Bierhaus sein und das merkt man nicht nur an der Cocktailkarte: Die Einrichtung ist edel-schick, die Theke nett ausgeleuchtet, goldumrankte Leuchter zieren die Decke, der Gast sitzt auf bequemen Lederhockern an hohen Bartischen. Bier soll hier eindeutig aus der „noch-ein-Kölsch“-Ecke geholt werden. Die Mühlen-Bar richtet sich an Gäste, die gerne im schicken Ambiente einen Euro mehr für ihr Getränk zahlen. Das verwundert nicht, denn die allesamt aus kleinen bis kleinsten Brauereien stammenden Crafts können gar nicht so günstig produzieren wie die Großen der Bierbranche, verwenden zudem aufwendig viele Zutaten (hohe Hopfengaben, aufwendige Malzröstungen) und sind folglich hochpreisiger.

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Ein wenig stört im Ambiente jedoch der große TV-Bildschirm an der Längstfront, der vor allem eine Mühlen-Dauerwerbeschleife zeigt – etwas unnötig, wenn man schon mal im Haus ist. Ansonsten fühle man sich hier gehoben wohl und passend dazu tobt das Bar-Leben hinter einer großen Fensterfront, so dass sehen und gesehen werden garantiert ist.

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Wenn Craftbeer in der Mühlen-Bar also als Edelgetränk angeboten wird, dann darf es nicht wundern, wenn das Publikum nicht gerade studentisch ausfällt. Übrigens, bevor ein Missverständnis aufkommt: Wir finden Biervielfalt immer gut. Grundsätzlich freuen uns aber, wenn diese einem breiten Publikum näher gebracht wird. Das erfüllt der Edel-Charakter der Mühlen-Bar natürlich weniger, aber warum auch, die barige Variante zum Craftbeer ist ein absolut berechtigter anderer Weg, der hier stimmig umgesetzt ist. So zieht die Mühlen-Bar eher Gäste ab 30 an, die ähnlich dem Wein gerne über ein Bier fachsimpeln.

Craftbeer Köln Mühlen Bar große Bierauswahl

Unser Besuch in der Mühlen-Bar enthielt übrigens ein Highlight, denn wir konnten als geladene Gäste vor dem eigentlichen Besucheranstrom an einem Craftbeer-Tasting teilnehmen. Auch dieses Tasting wollen wir hier kurz vorstellen, weil es eine super Sache ist, die Geschmacksvielfalt im Craftbeer-Bereich professionell zu vermitteln. Das übernahm in der Mühlen-Bar der Bier-Blogger Roman Drüg durchaus amüsant und fachmännisch. Die Tastings in der Mühlen-Bar finden übrigens regelmäßig statt (hier der Link), kosten 19,- Euro, es gibt einen hervorragenden Snack zu essen und man erhält fünf Biere zu einem Motto zur Probe. In unserem Fall war das Motto ein Vergleich zwischen amerikanischem und europäischem Craftbeer. Wir würden jedem dazu raten, einmal an einem solchen Tasting teilzunehmen. Dennoch möchten wir auch Kritik üben, denn so klasse die Mühlen-Bar auch ist, am Tasting gefiel uns eines nicht: Auf allen Tischen fanden sich Sektkühler um begonnene 0,15er Bierproben entsorgen zu können. Das finden wir unnötig, denn so wirkt eine gute Sache (Vielfalt im Biergeschmack erklären) snobbistisch.

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Dennoch, mit der Mühlen-Bar ist in Köln etwas entstanden, was die rheinische Bierszene bereichert, ein weiterer Anlaufpunkt für Bierfreunde und Craftbeer-Fans.

Deshalb unsere Meinung: Hingehen, liebe Bonner! (…und Kölner und alle anderen natürlich auch) Und dabei mutig durch die Vielfalt probieren!

Testtag: Dienstag

Fass: Mühlen-Kölsch

Flasche: Wechselndes Craftbeer-Sortiment aus 40-50 Bieren

Besonderheiten: Direkt neben dem Malzmühlen-Stammhaus, große Auswahl an Biercocktails

Internet: www.muehlenkoelsch.de

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Braustelle/ Köln-Ehrenfeld/ Christianstraße

Wenn Bonner Kneipenblogger euch empfehlen, für einen Düsseldorfer nach Köln zu fahren… dann könnte es vorgezogener Karneval sein, aber vielleicht haben wir auch einfach zu viel getrunken… oder, ja, oder es gibt wirklich gutes Bier, dass ein gebürtiger Düsseldorfer in Köln braut und für das ihr unbedingt einmal in die Domstadt fahren solltet!

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Peter Esser heißt der Mann, um den es hier geht. Vor etwa 15 Jahren konnte der gelernte Braumeister seinen Plan des besseren Brauens umsetzen und sich den Traum eines eigenen Brauhauses verwirklichen. Im damals noch gar nicht hippen Ehrenfeld traute Peter sich, zwischen Dönerläden und Imbissbuden-Gastronomie etwas ganz anderes aufzubauen: Ein Brauhaus mit vielen guten, eigenen, ungewöhnlichen Bieren!

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Willkommen in der Braustelle in Köln Ehrenfeld! Heute ist die Braustelle alles andere als ein Geheimtipp in Köln – täglich ab 18.00 Uhr öffnet „Kölns kleinste Brauerei“ ihre Türen und die Gäste warten schon. Größere Gruppen sollten hier auf jeden Fall reservieren, einzelne Gäste finden in der Regel ihren Platz, auch wenn es vielleicht nur an der Theke ist.

Kleinste Brauerei in Köln Köln Braustelle gut ausgehen in Ehrenfeld Tipp Craftbeer

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Köln kleinste Brauerei also. Tja, warum sollte man dafür nach Köln fahren, auch noch nach Ehrenfeld, wenn es doch direkt am Hauptbahnhof so große Brauhäuser gibt. Nun, das ist einfach: In Peter Essers „Braustelle“ ist alles selbstgemacht. Nein, wir schwindeln nicht. Alles! Selbst! Gemacht! Und das schmeckt man!

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Acht Biere eigener Herstellung werden vom Fass ausgeschenkt, dazu noch einige eigene Flaschenbiere, so dass der Gast aus etwa 15 Biersorten wählen kann. Kölsch, Alt, Hibiskus-Bier („Pink Panther“), Gose (Leipziger Spezialität), Irish Stout, Honigbier, Tripplebock, im Barriquefass gereiftes Moulin Rouge und und und. In Peter Essers Braustelle gibt es Biere, die einfach anders sind und in keiner Weise dem industriellen Massengeschmack entsprechen wollen. Tagsüber braut der Chef selbst in einer kleinen Ecke seines Lokals am für die Braustelle maßgefertigen Braukessel, im Keller stehen reihenweise Gärtanks und abends kann sich die Kundschaft an den herrlichen Bieren erfreuen.

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Ein gutes Brauhaus, da will der Gast natürlich auch essen. Und auch hier gilt: Selbstgemacht! Die Brezeln werden selbst gebacken, die kleine Küche setzt auf traditionelle rheinische Kost, fertigt Nudeln und Knödel selber an, frittiert nicht, kennt keine Mikrowelle, sondern kocht wie es auch die rheinische Oma täte.

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Man kann hier in Köln-Ehrenfeld also wunderbar rheinisch essen und sich durch die Biere probieren. Und was, wenn es kein Bier sein soll? Dann gibt es noch selbst gebrannte Liköre, Brände und mehr mit so schönen Namen wie der „Malzilly“.

Bier im Weinfass Craftbeer Köln Ehrenfeld ausgehen Tipp

Und wenn es jetzt wirklich weder ein Bier noch ein Schnaps sein soll? Hm, Für Cola und Wein ist ein Brauhaus vielleicht nicht der richtige Anlaufpunk. Wobei, halt, Softdrinks gibt es natürlich, keine Frage, und dabei auch so spannende Sachen wie „Brauwasser“ oder hausgemachte Limos mit Waldhimbeere, Zitrone oder Orange. Und der Kaffee kommt von einer benachbarten Ehrenfelder Rösterei, man bleibt also lokal. Ergo: Auch wer mal kein Bier trinkt muss sich hier weder schämen noch verdursten.

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Also, liebe Bonner, fahrt für den Mann aus Düsseldorf einmal nach Köln, solche Biere habt ihr noch nicht getrunken! Jungs, lasst euch mal darauf ein, dass ein Bier nicht wie Bitb… – ah egal – schmeckt, sondern anders sein kann. Und Mädels, ihr findet Bier herb und blöd und sowieso? Der „Pink Panther“ mit Hibiskus oder das „Honey Boo Boo“ könnten dann genau euer Ding sein.

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Deshalb unsere Meinung: Für „Kölns kleinstes Brauhaus“ sollte jeder Bonner einmal nach Köln gefahren sein! Besucht die Braustelle!

Testtag: Dienstag (und es war rammelvoll mit Studis, hippen Leuten, Mädels, Jungs, ach, mit jedermann eigentlich)

Fass: Helios-Kölsch, Ehrenfeld-Alt, Helios-Weizen und diverse weitere wechselnd aus eigener Produktion

Flasche: Wechselnd aus eigener Produktion

Besonderheiten: „Kölns kleinste Brauerei“ mit der größten Bierauswahl (übrigens, das ist Craftbeer: Biervielfalt, bei der der Mensch noch am Braukessel steht und nicht der Computer die Milligramm berechnet). Peter Esser organisiert auch das jährliche Festival der Bierkulturen (hier geht es zu unserem Bericht über das 2015er Festival)

Internet: www.braustelle.com

PS: Peter Esser war so freundlich, und ließ uns schon vor der eigentlichen Öffnungszeit in die Braustelle, so dass wir Zeit für den Gärkeller fanden und auch ein unbelebtes Lokal ablichten konnten.

P&M Getränke: Das Bonner Bierparadies mit einem Herz für Biervielfalt

In Bonn-Friesdorf gibt es unweit des Haribo-Werksverkaufs einen Getränkehändler, der anders ist als alles, was wir in diesem Bereich bereits gesehen haben: Wer den P&M-Getränkemarkt in Bonn von außen sieht, erwartet hinter der nur knapp vier Meter messenden Fassade einen eher kleinen Markt. Wer das Geschäft betritt, wird allerdings aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Bei P&M werden ganz offensichtlich nur handverlesene Produkte in unzählbarer Auswahl angeboten – das Geschäftsinnere quillt förmlich über vor Regalen und Kisten mit Produkten von A bis Z. Hier scheint es einfach alles zu geben! Das gilt auch für die Bierabteilung, die den Schwerpunkt des Marktes bildet: über 250 Biere aus fast 150 Brauereien – auf die Zahl genau konnte das nicht einmal unser Interviewpartner ganz genau beziffern – und darunter fast keines, das in den Pausen der Sportschau beworben wird. Will heißen: mehrheitlich speziell ausgesuchte Biere mittlerer und kleiner Brauereien. Grund genug für uns, im kleinen, aber authentischen Büro des Marktes mit einem der Juniorchefs über Bier zu sprechen, nämlich mit Thomas Görtz.

P&M Getränke Bonn

Eine unscheinbare Fassade, hinter der sich eine unglaubliche Auswahl verbirgt


We love Pubs: Lieber Herr Görtz, mögen Sie sich und Ihr Geschäft kurz vorstellen?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Sehr gerne! Gemeinsam mit meinem Bruder Markus und natürlich vor allem mit unserem Vater Manfred Görtz führen wir P&M Getränke. P&M besteht schon seit 1974 und war anfangs eine reine Weinhandlung, unsere Familie hat dann 1986 übernommen und nach und nach das Biersortiment, aber auch andere Getränke – viele neue Weine, Sekt, Säfte, Limonaden etc. – ins Programm aufgenommen. Unser Vater betreut vor allem die Weine, mein Bruder kümmert sich um die kleinen Brauer in Süddeutschland und ich versuche den internationalen Markt, vor allem den Craftbeer-Markt im Blick zu behalten. Mittlerweile bilden die Biere sicherlich einen Schwerpunkt unseres Geschäfts – und deshalb sind Sie ja auch zu uns gekommen! (lacht) Wir sind dabei kein ausliefernder Handel für die Gastronomie, oder zumindest nur in sehr geringem Ausmaß, sondern ein echter Getränkehandel, den der Bonner Einzelkunde für seine täglichen Getränke aufsuchen kann. Wobei wir natürlich auch Kunden von viel weiter her haben.

P&M Getränke BonnP&M Getränke Bonn

Wir hatten ja vorhin im Laden schon kurz über die vielen Biere im Sortiment gesprochen. Die Idee ist uns teils als Bierliebhaber gekommen – Helles aus Bayern vertreiben wir schon fast seit der ersten Stunde, also deutlich vor dem aktuellen Trend – aber teils auch aus einem Zwang zur Spezialisierung: wissen Sie, es gibt so viele Getränkemärkte und große Getränkeketten alleine in Bonn, da können wir als Einzelhändler eigentlich nur anders sein, um einen Platz zu finden. Angriff ist nun einmal die beste Verteidigung: das Neue suchen, das Sortiment ausbauen, das haben, was andere nicht haben. Deshalb führen wir auch keine Massenware. Überteuerte Durchschnittsbiere einiger Großbrauereien haben wir bewusst aus dem Programm genommen, denn die finden Sie auch überall anderswo.

We love Pubs: Sie sagen es schon – uns interessiert natürlich vor allem Ihre Bierauswahl. Sie bieten Produkte abseits des Mainstream an. Wie finden Sie die Brauereien und wie treten Sie an sie heran? Und wo liegen die Schwierigkeiten – für manch eine Familienbrauerei in Süddeutschland mag es ja eher ungewöhnlich sein, auch im Rheinland zu verkaufen.

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das stimmt, das ist nicht immer leicht, vor allem hinsichtlich unserer vielen fränkischen Biere, die mein Bruder betreut – die Franken sind ja wirklich nett, aber halt auch nicht immer ganz einfach! (es folgt ein herzliches Lachen, das offensichtlich auf Erfahrung beruht) Aber es stimmt schon, wer gezielt kleinere Brauereien aus anderen Gegenden anspricht, der stößt auf Probleme. Da wäre zuerst einmal der Pfand, für den es bei den Kleinbrauern keinen zentralen Verteiler gibt. Also fragt uns der fränkische Familienbetrieb natürlich, wie die Kisten zurückkommen. Letztendlich läuft es dann oft so, dass wir selber hinfahren, alles holen und auch zurückbringen.

Aber die Arbeit mit kleinen Brauereien bietet natürlich auch viele Vorteile und schöne Erlebnisse, insbesondere den ganz besonderen, oft freundschaftlich bis familiären Kontakt zu den Brauereien. Wenn man da einmal mit am Tisch sitzen darf, dann gehört man dazu. Und über solche Kontakte finden wir auch neue Biere und Brauereien, weil der eine hier und der andere dort etwas empfiehl. Teilweise empfehlen uns aber auch unsere eigenen Kunden Biere, die sie z.B. im Urlaub in Süddeutschland kennengelernt haben. Waldhaus aus dem Schwarzwald ist so ein Beispiel, das hatten wir lange gar nicht im Blick. Beim Schwarzwald denkt man je zurzeit fast automatisch an Rothaus und deren Tannzäpfle, aber ein Kunde, der aus der Gegend stammt, stand irgendwann im Laden und sage: also, Rothaus ist ja gut und schön, aber bei uns im Ort trinken wir immer Waldhaus, das ist viel besser. Also haben wir uns erstmal eine Kiste vom Kunden mitbringen lassen, selbst probiert, Freunde und andere Kunden probieren lassen und sind dann runter in den Schwarzwald gefahren.

We love Pubs: Würden Sie sich denn mit Ihrem Weg, kleine Brauer in den Mittelpunkt zu stellen, als Exot bezeichnen oder könnte der Trend in diese Richtung gehen?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Nun ja, eigentlich ist der Weg, sich vom Mainstream abzuwenden, fast schon selber Mainstream. Mittlerweile finden Sie in jeder deutschen Großstadt einen Händler, der sich den Kleinen verschrieben hat. Aber für Bonn ist es natürlich noch selten. Aber es ist ja schön, dass sich immer mehr Händler für Vielfalt öffnen. Dennoch wird sich der deutsche Biermarkt nicht gänzlich umkrempeln lassen.

Der Biertrinker in Deutschland trinkt ja häufig auch aus Gewohnheit. Zu uns kommen aber vor allem Kunden, die ich eher als Genusstrinker als besondern experimentierfreudig bezeichnen würde. Man kann ein Bier ja auch wie Wein konsumieren: langsamer, genussvoller, sich auf jedes Produkt neu einlassen und sich auch gerne überraschen lassen. Aber das wird vermutlich immer eine Nische bleiben. Ein gutes Beispiel für diese Art Bier zu trinken ist übrigens Chimay aus Belgien – ein Champagner unter den Bieren, das tatsächlich mit längerer Lagerung immer besser wird. Aber darauf lässt sich natürlich nicht jeder ein.

P&M Getränke Bonn Craftbeer

Bierpräsentation deluxe mit Craftbeer auch aus Bonn: Ale Mania

We love Pubs: Zurzeit ist Craftbeer ein europaweiter Trend. Trotz aller Unbestimmtheit, was eigentlich genau ein Craftbeer ist (Anmerkung: wir schrieben darüber bereits in einem OFF TOPIC), erobern die Crafts auch in Bonn langsam den Markt. Wie schätzen Sie die Marktfähigkeit des Craftbeer ein?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Puh, schwer zu sagen. Maximal fünf bis zehn Prozent des Gesamtmarktes. Bier ist in Deutschland wenig Genussmittel. Ich sagte ja: Biertrinker, die sich wie Weintrinker Zeit lassen, die sind eher selten.

Und Bonner Kneipen: da besteht natürlich oft eine Brauereibindung – eine deutsche Eigenart und Unart. Das gibt es sonst nur in England und selbst die haben es jetzt gekippt. Sie binden sich als Wirt an eine Brauerei und dürfen dann nur deren Sortiment führen. Da haben es die kleinen Brauer natürlich schwer. Darüber hinaus zählt der Prophet im eigenen Lande oft nichts – nehmen Sie Fritz Wülfing und sein Ale Mania: in Berlin ein Star, in Bonn nur in einer Kneipe vertreten. Oder Bischoff Kölsch aus Brühl, weil Sie es vorhin ansprachen: das hatten wir mal in unserem Sortiment, wird aber leider wenig gefragt. Der deutsche Biertrinker trinkt einfach gerne das, was er schon immer kennt. Oder er wählt das, was er im Urlaub, z.B. in Süddeutschland kennengelernt hat und nun auch hier möchte, deshalb laufen unsere Hellen und die fränkischen Biere ja auch so gut. Aber das kleine Kölsch aus Brühl? Das hat es schwer! Bei Ale Mania ist das etwas anders, das kommt und dafür fahren Kunden auch extra zu uns.

Aber man muss auch feststellen, dass ein Craftbeer auch für den Wirt nicht unbedingt toll ist. Der Wirt freut sich, wenn der Gast acht Kölsch trinkt. Aber Craftbeer trinkt man langsamer, genussvoller. Da bestellt der Gast vielleicht nur zwei Flaschen und blockiert damit stundenlang einen Tisch. Und vom teureren Preis des Caftbeers kommt beim Wirt ja nicht mehr an als beim Kölsch aus der Großbrauerei, das Craftbeer ist ja aufgrund der Verarbeitung und der Zutaten, vor allem durch den Mehrgehalt an teurem Hopfen, so hochpreisig. Aber der Trend zum Bier als Genussmittel könnte kommen, die Frage ist nur wann…

(hier schaltet sich kurz Markus Görtz, der Bruder in das Gespräch ein): Vielleicht fehlt auch einfach ein Wirt, der mal den Mut hat, dass wirklich konsequent durchzuziehen! (jetzt entbrennt eine kleine Fachdiskussion unter Brüdern, an der vor allem eins deutlich wird: hier beschäftigt sich jemand intensiv mit dem Produkt, das er verkauft!)

We love Pubs: Auch die großen Brauereien versuchen sich mittlerweile im Bereich des Craftbeer, so z.B. Beck`s mit einer Sonderedition, ebenso Duckstein und Maisel. Bereichert das aus Ihrer Sicht den Craftbeer-Markt oder schadet es eher? Und kann das überhaupt klappen, handwerkliches Bier aus industrieller Massenproduktion?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das stimmt, das wird versucht. Aber das ist dann eigentlich ein ganz anderes Produkt, Industrieproduktion und Craftbeer, das geht tatsächlich nicht, das steckt ja schon im Namen „craft“. Was Sie „die Großen“ nennen, die produzieren auch gar nicht für den Gastrobereich oder den Wirt, der ein besonderes Bier anbieten will, die produzieren auch Craftbeer in Masse, damit sie im Handel Masse verkaufen können. Dadurch wird der Geschmack des Bieres natürlich dem vermuteten Durchschnittsgeschmack angepasst. Und damit wird natürlich wieder alles eingeebnet und verwässert (man merkt, dass sich Thomas Görtz hier in Rage redet – hier spricht jemand, dem Vielfalt am Herzen liegt).

Aber Sie hatten vorhin im Laden auch nach der Brauerei Schneider gefragt. Die sind wirklich anders, aber auch immer noch ein Familienunternehmen. Hier wird experimentiert und wenn es gut schmeckt darf ein Bier auch mal mehrere Monate im Barriquefass reifen. Und das darf dann auch mal mehr kosten – Bier für experimentierfreudige Kunden eben, für Genießer.

We love Pubs: Bleiben wir kurz bei den Großbrauereien. Zum Teil wird eine Kiste Pilsener in Deutschland für unter 5,- Euro angeboten. Über 15,- Euro empfindet der deutsche Kunde als sehr teuer. Warum können die Großen derartig günstig anbieten und haben die Crafts da überhaupt eine Chance?

Thomas Görzt (P&M Getränke): Eigentlich könnte jedes Bier, das industriell hergestellt wird, in Deutschland für 5,- Euro verkauft werden. Ok, das ist ein wenig übertreiben, aber im Grundsatz richtig. Denn eigentlich teuer werden die Industriebiere durch die Werbung. Wenn ich vor der Champions League eine Einblendung habe, dann will die natürlich ebenso bezahlt werden wie der Schauspieler, der für mich wirbt. Die Zutaten sind bei den Industriebieren eher nicht der Faktor, die werden in Masse eingekauft und der teure Hopfen ohnehin nur noch spärlich verwendet. Das kann die kleine Brauerei, die in einem Bier drei Hopfensorten verarbeitet und davon jeweils nur Mini-Mengen bestellt, natürlich nicht. Einen anderen Weg geht übrigens Öttinger: fast keine Werbung, eigener Auslieferfuhrpark. Deshalb ist hier der Preis eigentlich gar nicht so ein negatives Merkmal, wenn man ihn mit den anderen Industriebieren vergleicht.

Die großen Brauereien haben übrigens noch einen ganz anderen Vorteil gegenüber den Kleinen: sie sind für den Kunden verlässlich, jedes Bier schmeckt gleich, das ist ja die logische Folge aus maschinisierter Industrieproduktion. Bei einem handwerklich produzierten Bier gibt es natürlich Schwankungen, einmal mehr oder weniger Kohlensäure, ein anderes mal ist eine Charge mal etwas bitterer… per Hand arbeitet es sich halt minimal ungenau. Mit solchen Bieren muss man sich also als Kunde mehr beschäftigen, mit jedem einzelnen Bier. Dazu zwingt Craftbeer im positiven Sinne.

We love Pubs: Damit sind wir schon fast am Ende unserer Fragen, blieben zum Schluss noch einige Geheimtipps: Haben Sie persönliche einen oder mehrere lokale Bier-Favoriten hier im Köln-Bonner Raum – egal ob Craftbeer oder nicht?

Thomas Görtz (P&M Getränke): Das ist einfach. Ale Mania von Fritz Wülfing, ich hatte es ja schon mehrfach als Positivbeispiel genannt. Fritz braut nicht nur super Biere, der hat auch noch so viele Ideen und so viel Wissen im Kopf und ist einfach ein unglaublich netter Typ.

We love Pubs: Die wichtigste Frage ganz zum Schluss: ihr Lieblingsbier ist…

Thomas Görtz (P&M Getränke): Immer das Bier vor mir! Es gibt so viele leckere Biere, da lässt sich keines hervorheben. Das Bier muss zu Situation und zur Stimmung passen. Und jedes Bier sollte einzigartig sein.


Die kleine Kommandozentrale und unser Interviewpartner mit einem Geheimtipp

Und das sagen wir zu P&M Getränke Bonn: Man wird unserem Vorbericht schon angemerkt haben, dass wir restlos begeistert sind. Deshalb hatten wir P&M ja auch schon in unserem Bonner-Getränkemärkte-Ranking auf eins gesetzt. Eine solchen Getränkemarkt mit so einer schier unfassbaren Auswahl in allen Bereichen muss man einfach lieben (unserer Bericht hat einen klaren Bier-Schwerpunkt, aber bei P&M sehen auch die Weine, Säfte, Wässer, Limonaden und Spirituosen so aus, als sei hier jede Flasche mit Bedacht gewählt). Außerdem merkte man im Interview Thomas Görtz und seinem Bruder Markus an, dass beide ihre Profession mit Herzblut ausüben. Oder, wie Thomas Görtz selber sagte: „Wir lieben einfach Bier!“

Deshalb unsere Meinung: hingehen, beraten lassen! Denn ehrlich, kein Mensch kann die endlos vielen Biere bei P&M in Bonn-Friesdorf selber überblicken, aber im Stile des Familienunternehmens wird hier gerne und fachmännisch beraten. Und nicht ärgern, wenn es gewohnte Produkte der Großbrauereien nicht gibt – versprochen, es findet sich bestimmt etwas viel besseres im Sortiment!

Hier auch der Link zur Homepage von P&M Getränke Bonn. Geht auf jeden Fall mal hin und guckt euch diesen positiv-verrückten Getränkewahnsinn an und lasst euch beraten!


PS: aus Gründen der Rechtschaffenheit möchten wir darauf hinweisen, dass die beiden Brüder Görtz uns am Ende des Interviews nicht gehen ließen, ohne uns einen weiteren Geheimtipp kostenlos mit auf den Weg zu geben, nämlich einige Flaschen Mönchsambacher – das auch wirklich toll ist! Das ist in unsere Bewertung nicht eingeflossen. Das vorliegende Interview haben wir handschriftlich mitgeschrieben, aber hinterher stellenweise aus inhaltlichen und schriftsprachlichen Gründen angepasst, so dass der Wortlaut teils verändert ist. Vorliegende Fassung wurde von Thomas Görtz autorisiert.

OFF TOPIC: Craftbeer – was ist das eigentlich?

Was ist eigentlich ein Craftbeer? Diese Frage dürfte sich so mancher deutsche Pils- oder Kölschfreund stellen, ergreift die Begeisterungswelle doch langsam aber sicher auch Deutschland. Wobei der Trend in Berlin oder Hamburg schon lange angesagt ist, aber auch in Bonn erreicht Craftbeer langsam den Markt.


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Hippe Braukunst aus Lettland und Deutschland: Labietis aus Riga und AleMania aus Bonn


Bisher führen sieben Lokale in Bonn die neuen, trendigen Bierstile. Craftbeer findet sich im La Victoria, Flynn´s Inn, Chimära, Kurzlebig, Pinte, Anno und im Fiddler`s, außerdem gibt es in der Burgermanufakur am Frankenbad ein Craft von Riegele. Und natürlich hat Bonn seine eigene Craftbeer-Brauerei: Ale-Mania von Fritz Wülfing.

Craftbeer ist also im Bonner Nachtleben angekommen und zum schicken Ausgehen scheint immer mehr auch ein ausgefallenes Bier zu gehören. Aber was ist eigentlich ein Craftbeer? Eine einheitliche Definition besteht nicht, deshalb wollen wir drei gängige Ansätze vorstellen, aber auch eine eigene Definition versuchen. Und, hey, diskutiert doch mit und schreibt uns über die Kommentarfunktion unten eure Gedanken!

Erklärung 1 – die Wortbedeutung: der einfachste Ansatz, Craftbeer heißt ja im Englischen etwas und setzt sich aus „craft“ (Handwerk) und „beer“ (Bier) zusammen. In diesem Sinne ist ein Craftbeer ein handwerkliches Bier. Aber Handwerk kann ja vieles sein und keiner Brauerei sei abgesprochen, dass sie ein Handwerk betreibt. Die Grenze ist also nicht trennscharf. Wobei: Übersetzungen sind ja so eine Sache, man kann im Wörterbuch nachsehen und doch eine Bedeutung nicht ganz erfassen. Denn der Wortsinn von „craft“ geht über das deutsche Handwerk hinaus. Das deutsche Wort bezeichnet heute vermutlich nicht mehr zwingend einen Arbeitsprozess per Hand, während das englische „crafted“ genau das noch immer ausdrückt: handgemacht. Dies ist aus unserer Sicht ein wichtiger Ansatz, auf den wir später zurückkommen möchten.

Erklärung 2 – das Verständnis vieler Konsumenten: ein Craftbeer ist ein ungewöhnlicher Braustil. Nach dieser Erklärung könnten Pils, Kölsch und Weizen keine Crafts sein. Craftbeer wäre dann nur das, was weit ab vom Mainstream gebraut wird, z.B. das hopfige IPA oder eine Leipziger Gose. Wir finden: das passt nicht, denn ein Pils kann sehr wohl cratfig sein und ein IPA absolut Mainstream. Craftbeer ist eigentlich keine Frage des was, sondern eine Frage des wie.

Erklärung 3 – die inoffizielle Brauerdefinition: ein Craftbeer ist ein Bier mit einer geringen Produktionsmenge. Dieser Ansatz stammt aus den USA und soll die kleinen Biere von der Massenproduktion abgrenzen. Nach dieser Definition wäre Craftbeer dann eine Frage des wie viel. Das ist eine löbliche Idee, passt aber nicht auf die weltweiten Verhältnisse. Denn die US-amerikanische Brauervereinigung hat die Grenze auf sage und schreibe 9 Millionen Hektoliter Jahresproduktion festgelegt. Nur zum Vergleich: Warsteiner produziert z.Zt. etwa 2,5 Millionen Hektoliter. Ach ja, das gerade in aller Munde seiende Teegernseer produziert 120.000 Hektoliter im Jahr – würdet ihr es deshalb als Craftbeer sehen? Vermutlich eher nicht (lecker ist es natürlich trotzdem).

Wir wollen den aus unserer Sicht vorliegenden Widersinn dieser Definition über die Produktionsmenge eines bekannten Craftbeers erklären: Sierra Neva Brewing begann in den 1980er als Experimentierstätte einiger durchgeknallter Jungs, die Bock auf neue Bierstile hatten (ah, die Erklärung 2…), erkannte den Trend und ist heute mit diversen Pale Ale Sorten die siebtgrößte Brauerei der USA und der Ausstoß stieg von wenigen hundert Hektolitern in den 1980ern auf heute über eine Millionen Hektoliter – und darf sich damit Craftbeer nennen… Wir finden: die Frage nach dem wie viel könnte greifen, aber nicht so.


Craftbeer (1)

Tervetes Alus, eine lettische Brauerei, braut auch ungewöhnliche lettische Bierstile und stößt wenig aus – ist das Craftbeer? Wir finden: nein, zu industriell!


Keiner dieser drei Ansätze ist also vollkommen trennscharf. Jetzt werdet ihr natürlich sagen: ja und, was soll`s Hauptsache es schmeckt! Nun ja, das stimmt, aber wir würden uns wünschen, dass im Rahmen des aktuellen Hypes um Craftbeer nicht jedes Lokal oder jede Brauerei aus Gründen des Massenprofits mit auf den Zug aufspringt. Das macht eine schöne, alternative Bewegung nämlich mittelfristig kaputt.

Unser Definitionsversuch für Craftbeer: wir möchten zur Wortbedeutung im übertragenen Sinne zurückkehren und Wert legen auf den Wortbestandteil „craft“ im Sinne von „crafted“: ein Craftbeer muss aus unserer Sicht tatsächlich per Hand gemacht sein und der konkrete Braustil ist egal. Was das heißt? Ganz einfach: wenn Beck´s ein IPA auflegt, ist das zwar ein spannender Braustileine tolle Bereicherung des Biermarktes, aber soweit wir wissen steht in keiner der weltweit fünfzehn Braustätten noch irgendwo ein Mensch am Sudkessel und rührt eigenhändig. Und auch die Zutaten fügt keine Person mehr von Hand hinzu. Nein, das ist längst maschinisiert und computergesteuert. Und genau deshalb würden wir hier sagen: Stopp, das ist kein Craftbeer mehr! Oder anders herum: ein ganz normales obergäriges Bier („Kölsch-Stil“) vom Brauhaus am Ennert in Bonn ist durchaus ein Craftbeer, denn hier ist wirklich noch ein Brauer selbst tätig rührt im Sud!


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Brauen im Glaskasten: bei Labietis in Riga kann der Kunde den Brauprozess beobachten, alles ist selbstgemacht – und neben den neuen, trendigen Bierstilen und einigen Experimentalbieren gibt es auch Klassiker


Aber wir geben zu, auch unsere Definition hinkt, denn wenn das handgemachte zentral ist, dann ent-craftet sich jede kleine Brauerei durch ihr eigenes Wachstum. Aber ist das schlimm? Wir finden: nein! Es gibt ja auch leckeres Industriebier (auch wenn der Name un-hip kling). Das Label „Craft“ sollte aus unserer Sicht den Kleinen vorbehalten sein, denen, die wirklich Hand anlegen. Auch dafür abschließend ein Beispiel: Das absolut coole BrewDog, vielleicht der hippste Vorreiter der Craftszene produziert 90.000 Hektoliter im Jahr verteilt auf 400.000 Flaschen im Monat – aber die lassen sich eben nicht mehr von Hand abarbeiten…

Wie seht ihr das? Diskutiert gerne mit! Das Ziel wäre eine für Deutschland (oder ganz Europa?) zutreffende Definition von Craftbeer. Schreibt doch einfach in der Kommentarfunktion unten eure Ergänzungen zu unserer Gedanken! Schaffen wir eine Craftbeer-Definition!

Assenmacher/ Beuel-Schwarzrheindorf/ Stiftsstraße

Assenmacher (4)

Das Assenmacher in Bonn-Schwarzrheindorf ist weder Kneipe noch reines Trinklokal, sondern ganz klar ein Restaurant, über das ja auch Karin von Bonn geht essen schon schrieb. Wir wollen es trotzdem in unseren Blog aufnehmen. Denn hier versteckt sich in den Frühlings- und Sommermonaten ein wirklich schöner Biergarten – mit direkter Sicht auf die herrliche Doppelkirche von Schwarzrheindorf! Außerdem wird Münchener Hofbräu ausgeschenkt, was will man mehr! Deshalb finden wir, dass hier ein kleiner, aber feiner Geheimtipp der Bonner Biergärten liegt.

Der Gast des Assenmacher betritt zuerst einen dunkel gehaltenen Thekenvorraum und dann die hölzern ausgekleidete eigentliche Gaststätte. Ganz klar: hier steht man im alten Ortsgasthaus Schwarzrheindorfs! Allerdings zeigt ein Blick auf die Speisekarte, dass frischer Wind mit Mut zu exotischen Variationen bekannter Gerichte eingezogen ist. Aber es gibt neben einigen Crossover-Gerichten auch die gutbürgerlichen Klassiker. Absolut spitze ist dabei, dass alles selbst hergestellt wird, also auch die Nudeln oder das Eis zum Nachtisch. Und ein Koch kocht hier, der auch mal seinen eigenen Kräuteranbau zeigt! Überhaupt spürt man den familiären Geist des Hauses, das seit drei Jahren von einem neuen Betreiberpaar liebevoll geführt wird. Ach ja, passend zu den tollen Gerichten werden die (Craftbeer-)Brauspezialitäten von Riegele gereicht. Wir empfehlen: einfach vom Koch beraten lassen und ein Bier anstelle des Weins zum Essen genießen!

Assenmacher (3)

Aber unser Blick soll dem Biergarten gelten. Mit Steinplatten und Kieseln ausgelegt, sitzt man hier fast wie im eigenen Garten zwischen diversen Sträuchern. Wer also keinen Garten sein eigen nennt, sollte mal hier vorbei schauen! Insbesondere, wenn in den kommenden Sommermonaten alle Sträucher blühen werden, wird man hier ein schönes Naturerlebnis zum Bier genießen können. Ein kleiner Teil wurde auch im Wintergarten-Stil hergerichtet – hier findet sich auch ein toller Strandkorb zum Verweilen im Urlaubsgefühl.

Die eine Seite des Biergartens wird von der weiß verputzten Wand des ebenfalls schon älteren Nachbargebäudes begrenzt, auf der anderen kann man einen Blick in das Restaurant erhaschen. So entsteht eine Art Schlauch mit diversen Bierbänken und Gartentischkombinationen und dazwischen die angesprochenen Sträucher und Beete. Doch, das ist schön gemacht! Und wenn man seinen Platz richtig wählt, denn bietet sich auch der Blick über das gusseiserne Eingangstor hinweg auf den Turm der Doppelkirche.

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Aufgefallen ist uns allerdings, dass die Öffnungszeiten gerade an den Wochenenden nicht auf den Messschluss der benachbarten (herrlichen!) Kirche abgestimmt sind. Hier läge sicher noch Potential, sonntägliche Kirchbesucher mit einem Wein oder einem Hofbräu den Start in den Sommertag zu versüßen.

Deshalb unsere Meinung: auf jeden Fall (während Radtour oder Spaziergang?) mal einkehren und den Blick auf die Doppelkirche genießen! Dazu vielleicht das tolle, handgemachte Essen probieren.

Testtag: Dienstag

Fass: Bit, Peters

Flasche: Hofbräu, Köstritzer, Riegele Brauspezialitäten

Besonderheiten: der Blick auf die Kirche!

Internet: www.restaurant-assenmacher.de

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