Monte Cristo/ Poppelsdorf/ Clemens-August-Straße

Wenn man einen Laden in Bonn lange kennt, aber erst spät im Kneipenblog darüber schreibt, hat das vermutlich seine Gründe. So geht es uns mit dem Monte Cristo Bonn an der Poppelsdorfer Ausgehmeile. Die mögen wir an sich – wir schrieben in unserem Stadtteil-Bericht darüber – und auch das Dirk Diggler ist sehr schön. Direkt am Beginn der Meile befinden sich mit dem Havanna und dem Monte Cristo jedoch zwei Bonner Bars, denen wir zwiegespalten gegenüber stehen. Letzteres wollen wir heute kurz vorstellen.

Monte Cristo Bonn Poppelsorf

Wir beginnen ausnahmeweise mit unseren höchst individuellen Kritikpunkten: Irgendwie ist das Monte Cristo in Poppelsdorf weder Fisch noch Fleisch. Teils Cafe, teils Bar, teils Tapas-Restaurant versucht hier ein Lokal alles auf einmal abzudecken und entwickelt dabei aus unserer Sicht keine spezifische Richtung. Leider macht sich das auch im Inneren bemerkbar: eine Theke, die eigentlich nur Ausschankplatz ist und nicht wirklich zum Sitzen einlädt, recht austauschbare Lederstühle an dunklen Tischen, die auch in jeder Bar in jeder Stadt passen würden, Spielautomaten in der Ecke, große Fernsehbildschirme, Bilder mit Allerweltssansichten an ansonsten eher kahlen Wänden. Nein, das fanden wir persönlich alles reichlich austauschbar und uns fehlte die individuelle Note. Aber das ist natürlich eine persönliche Sicht.

Monte Cristo Bonn Poppelsorf

Und es ist ja so eine Sache mit Lokalen und Wahrnehmungen. Wir haben das Monte Cristo an einem schönen Maitag besucht, so spielte das Leben draußen und vielleicht konnte das Innere deshalb auch gar nicht seinen Charme entfalten. Und im Außenbereich ist das Bild auch etwas anders: hier sitzt man an breiten Holztischen oder Korbgarnituren und hat einen schönen Blick auf die Poppelsdorfer Clemens-August-Straße und ihr Treiben. Das ist natürlich schön! Allerdings wird sogar Zweitliga-Fußball im Außenbereich übertragen und mit Boxen verstärkt, was den Fan unterklassiger Fußballvereine freuen mag, wir trotz aller Liebe zum runden Leder aber doch für zu viel des Guten halten.

Monte Cristo Bonn

Getränke bietet das Monte Cristo reichlich, aber man merkt: Kneipe, Bar, Cocktails – man will alles sein und sticht nirgendwo hervor: Jever und Gilden vom Fass, Becks, Heineken, Corona, Desperados, Schöfferhofer aus der Flasche. Was nach Auswahl klingt, ist leider genau das, was es wirklich überall gibt. Die diversen Biermix-Varianten machen es nicht wirklich besser und auch hinsichtlich Whisky (v.a. Jim Beam, Jonny Walker, Glenfidich), Gin (Gordon, Beafeater, Finsbury), Tequilla (u.a. Siera, Olmeca) und Vodka (v.a. Absolut, Russkij Standrad) sahen wir persönlich auf der Karte nur Wahlmöglichkeiten, die eher Standard sind. Wir müssen jedoch einwenden, dass sich das Bild bei den Cocktails wandelt, hier besteht eine größere und bessere Auswahl.

Jetzt haben wir reichlich Kritik geübt, aber über Geschmack kann man ja streiten und vielleicht ist unsere Sicht auch zu individuell, denn gut besucht ist das Monte Cristo Bonn häufig – insbesondere zum Fußball und natürlich bei schönem Wetter draußen.

Deshalb unsere Meinung: Joa, an schönen Tagen im Außenbereich eine Option mit Blick auf die Poppelsdorfer Meile, sonst aus unserer Sicht zu austauschbar.

Testtag: Sonntag

Fass: Jever, Gilden

Flasche: Becks, Heineken, Corona, Desperados, Schöfferhofer

Besonderheiten:

Internet:

Advertisements

Zum Gequetschten/ Zentrum/ Sternstraße

Brauhäuser ohne echten Braubetrieb halten wir ja nach wie vor für ein großes Paradoxon im Rheinland – aber wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass große, gutbürgerliche Gaststätten mit deftiger rheinischer Küche und noch deftigerem rheinischen Köbes (liebe Nicht-Rheinländer: das heißt Kellner) so genannt werden. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: das Ambiente gefällt uns!

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Das Brauhaus „Zum Gequetschten“ in Bonn an der Ecke Sternstraße/ Friedensplatz passt vollkommen in dieses Bild und nennt sich auch gleich ganz unbescheiden „Bonns jüngstes Brauhaus mit der ältesten Tradition“. Dieses weitere Paradox löst sich durch die mehrfachen Namenswechsel seit dem frühen 17. Jahrhundert (ja, wirklich, kein Tippfehler!) sowie durch Besitzerwechsel. Seit 1850 heißt das Lokal dennoch durchgehend „Zum Gequetschten“ und bietet seither vielen Bonner Karnevalsvereinen Quartier – wer hier einkehrt, befindet sich in einer absoluten Karnevalshochburg und während der Bonner Session drängen sich hier die Jecken.

Stichwort drängen: das Lokal führt seinen Namen nicht, weil es vielleicht eng und gedrängt wirkt – der Name rührt vom gedrängten Abstellen von Prozessionskreuzen in früheren Zeiten her.

SAMSUNG CAMERA PICTURESSAMSUNG CAMERA PICTURES

Wir haben den Test an einem Sonntagabend genutzt, um unseren aus Norddeutschland angereisten Eltern rheinische Küche und Brauhaustradition zu präsentieren. Und dazu eignet sich der „Gequetschte“ wunderbar: die Speisekarte bietet rheinische Klassiker, aber auch Schnitzelgerichte und Steaks. Dazu werden zwei Kölsch (Peters und Gilden) ausgeschenkt, von denen letzteres nicht überall erhältlich ist. Es gibt aber auch ein herbes Pils (Jever) und ein Weizen (Schöfferhofer) und natürlich auch alle anderen Getränke, darunter auch eine sehenswerte Weinkarte – man muss trotz des Brauhaus-Charakters also nicht beim Bier bleiben.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Der Gast muss allerdings nicht nur zwischen zwei Kölschsorten wählen, sondern auch zwischen zwei Eingängen: direkt nach dem Haupteingang trennt sich das Lokal in einen Schankraum um die Theke und in das Restaurant. Beide sind durch eine dünne Holzwand mit schönen Bleiglasfenstern getrennt, der Durchgang ist jedoch auch im Inneren möglich. Zwar erlebt man so als speisender Gast nicht den herrlichen Thekentrubel, kann aber andererseits ruhiger essen – für einen elterlichen Besuch nicht schlecht.

Beide Räume bestehen aus einer dunklen Holzvertäfelung, in die alte, blau-weiß gemusterte Porzellankacheln eingelassen sind. Dadurch ist die Atmosphäre nicht zu dunkel und die Kachelung sorgt für ein gediegenes Ambiente. Dem entgegen steht zwar, dass das Holz an vielen Stellen abgewetzt ist (der Karneval hat seine Spuren hinterlassen…), das Gesamtbild wirkt so jedoch urig und traditionell. Wir finden, dass gerade die Kacheln mit ihren Mustern und Inschriften dem „Gequetschten“ einen einzigartigen Charme verleihen.

SAMSUNG CAMERA PICTURES

Dazu passt auch das Auftreten der – wie es sich im Rheinland gehört – ausschließlich männlichen Köbesse (liebe Nicht-Rheinländer: das ist der Plural von Köbes, also Kellner): weiß beschürzt führen sie die frech-derbe rheinische Mundart dieses Berufs (liebe Nicht-Rheinländer: bitte davon nicht abschrecken lassen oder sich gar beschweren – das gehört zur Tradition und ist Teil des rheinischen Wohlfühl-Faktors).

Es mag nun also so klingen, als hätte unser Besuch keine Wünsche offen gelassen. Das stimmt nicht ganz, minimale Stilkritik müssen wir üben: Plastikblumen auf Tischen finden wir auch in Brauhäusern unschön und die Raumdekoration – also die Bebilderung und die ausgestellten Siphons und Krüge – ist zwar alt und größtenteils rheinisch, hat aber kaum direkten Bezug zum Haus. Schade, so hätte sich der sonst stimmige Gesamtcharakter aus mit Hausemblem bedruckten Tellern und Servietten abrunden lassen.

Aber das ist Detailkritik und der „Gequetschte“ ist wirklich ein schönes Braushaus im Bonner Zentrum, dessen Besuch lohnt. Würde hier noch eigenes Bier gebraut, wie bis 1985 der Fall, wären wir zwar noch begeisterter, aber auch so ist…

…unsere Meinung: charmante Brauhaus-Atmosphäre (und zufriedene Eltern! 🙂 )

Testtag: Sonntag

Fass: Gilden, Peters, Jever

Flasche: Schöfferhofer

Besonderheiten: Karnevalshochburg in Bonn (Schilder über dem Eingang beachten!)

Internet: www.bredderbud.de

PS: bevor obige Zeilen anderes suggerieren, sei angemerkt, dass der Autor dieser Zeilen selber nur Wahl-Rheinländer ist, aber das Wesen und Sein seiner Wahlheimat bereits seit dem vergangenen Jahrtausend studiert… 😉