Machold/ Altstadt/ Heerstraße

Kennt ihr diesen Moment, wenn man ein lange bekanntes und ebenso lange nicht besuchtes Lokal betritt, ohne große Erwartungen, und dann direkt im Eingang staunend stehen bleibt, weil alles anders, neu und umgestaltet ist? So ging es uns im Brauhaus Machold und davon wollen wir euch natürlich berichten!

Brauhaus Bonn Machold Bier trinken gehen

Zuletzt besuchten wir das Machold in der Bonner Altstadt ziemlich genau vor zwei Jahren, kurz bevor dieser Blog startete, anlässlich des väterlichen Geburtstags. Und das passte auch irgendwie: ein netter Ort, um mit den Eltern solide essen zu gehen. Aber irgendwie auch nicht mehr. Gut, es gab und gibt hauseigenes Bier, aber das wird ja leider auch nicht mehr hier gebraut. Also alles so ein wenig „na ja“. Dazu kamen dann jüngst Schließungsgerüchte und so wanderte das Machold erst einmal ganz weit nach hinter auf der Liste der Bonner Kneipen, in die wir unbedingt gehen wollen.

Jetzt waren wir endlich da und wie gesagt überwältigt vom neuen Look. Das Bonner Machold hat sich den Anstrich einer American Sportsbar gegeben und das alte Bonner Brauhausflair in ein Western-Design überführt. Das passt überraschend gut, auch wenn vielleicht einige Stellen sehr stil-gemixt wirken.

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Wenn man das mächtige, rot verklinkerte Haus an der Ecke Heerstraße/ Krausfeld über den am Hauseck liegenden Haupteingang betritt, erreicht man zuerst den völlig neu gestalteten großen Thekenraum. Geblieben ist die mächtige, geschwungene Theke sowie die alte Kupferkonstruktion an der Zapfanlage. Neu sind hunderte kneipentypischer Emaille-Schildern an den Wänden und drei kleine Saloon-Theken für je vier Personen, dazu zieren große Spiegel, Kerzenständer sowie weitere Stehtische den Raum, aber leider auch ein Spielautomat. Die Decke wird betucht von einer riesigen US-Flagge, drei Sättel und Pferdegeschirr runden das Bild ab. Natürlich gibt es mehrere große TV-Bildschirme mit Fußball der 1. und 2. Liga sowie Euro-Spiele. Die Ausrichtung als US-Sportsbar wurde also trotz kleinerer Stil-Mix-Brüche konsequent umgesetzt und bricht auch nicht mit dem altehrwürdigen Brauhaus-Charme, der an vielen Ecken noch hervorblitzt. Doch, das passt. Und soweit wir wissen, gibt es bisher in Bonn keine derartige Sportbar, so dass eine Lücke geschlossen wurde.

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Aber das Machold ist ja riesig! Es gibt einen kleineren Nebenraum im Western-Saloon-Style – er heißt auch Saloon und natürlich gibt es eine Schwungtür – sowie einen großen Hinterraum, in dem auch große Gesellschaften problemlos Platz finden. Hier ist auch das alte Brauhaus noch am besten erkennbar und kupferne Suddeckel schmücken die Wände.

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Essen ist möglich und die Gerichte wurden dem Konzept angepasst, es gibt Burger und mehr, aber auch noch gutbürgerliche Klassiker. Bei den Getränken fällt auf, dass man dem Trend zur Vielfalt folgt und gleich fünf Biere vom Fass anbietet: das helle und das dunkle Machold, Peters-Kölsch, Sion und Jever. Hier ist natürlich ein Großkonzern am Werk: Das Machold gehört ebenso wie Sion und Peters zur Radeberger-Gruppe. Überhaupt ist das Machold ja schon lange (seit den 1960ern) kein Familienbetrieb mehr und das hauseigene Bier wird auswärts in anderen Brauanlagen des Konzern produziert. Das Sortiment setzt sich jedoch auch in der Flasche vielfältig fort, es gibt acht Flaschenbiere (siehe unten), die den jüngeren Biergeschmack treffen sollen. Es bleiben natürlich ebenfalls Konzernbiere. Natürlich gibt es auch alle anderen Getränke, Whiskey, Gin, einige Hochprozentige, recht viele Weine und einige Schorlen. Man wird hier also auch als Nicht-Biertrinker glücklich, wobei uns kein Produkt als besonders ungewöhnlich ins Auge stach.

Einen Biergarten gibt es übrigens auch und der war ja immer schon einer der schönsten Biergärten Bonns, efeuumrankt und laubenartig im Innenhof zwischen alten Klinkermauern. Ein Highlight für den Sommer!

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Also, das Brauhaus Machold, das übrigens eigentlich Bierhaus Machold heißt, hat uns sehr positiv überrascht. Hier passt vieles: Die Atmosphäre, ein sehr freundlicher Thekenservice mit echten Barmännern, leicht rockige Musik im Hintergrund. Als Bonus gibt es ganz ungefragt ein Milchkännchen (!) mit kostenlosen Erdnüssen zum Knabbern. Doch, wer Sport, Bier und US-Stil mag, der ist hier richtig.

Deshalb unsere Meinung: Hingehen! Schöne Kombination aus Tradition und Modernität. Schöne Sportsbar in Bonn mit tollem Thekenraum.

Testtag: Freitag

Fass: Machold (hell/ dunkel), Sion, Peters, Jever

Flasche: Becks, Heineken, Corona, Desperados, Guinness (ja, aus der Falsche), Estrella Damm, Krombacher Weizen, Schneider Weisse

Besonderheiten: Bonner Sportsbar und Brauhaus in einem; hauseigenes Bier (auswärts gebraut)

Internet: www.bierhaus-machold.com

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Maya/ Altstadt / Breite Straße

Das Maya in der Bonner Altstadt ist der Typ Lokal, den wir schon ewig kennen, schon zig mal besucht haben – und dann doch erst nach fast zwei Jahren Kneipenbloggerei offiziell zum Test aufsuchten. Vielleicht liegt das daran, dass wir so langsam aus der Zielgruppe herauswachsen: Hier im Maya in der Breite Straße trifft man nämlich vornehmlich junge Gäste und viele Studenten, die Stimmung ist entsprechend gechillt und das passt zum Lokal. Aber vielleicht fangen wir vorne an…

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Vorne, das wäre dann wohl die Eingangstür. Gegenüber dem Babel hier am oberen Ende der Breite Straße leuchtet ein blaues „Maya“ in großen Lettern über der farbigen Fassade. Innen betritt man einen langen Schlauch und es geht farbig weiter: tiefrote Wände umranden eine zum Namen passende Indio-Bebilderung. Vom kleineren Vorderraum führt ein geräumiger Zwischengang in den größeren Hinterraum mit Theke und Musikpult, alles namenstypisch dekoriert. Im Zwischengang selber ist übrigens eine Zeichnung mit 28 Mayas in allen möglichen Posen das Highlight.

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Eigentlich würden wir sagen, dass diese Einrichtung ein wenig austauschbar ist, weil viele Bildern arg nah am Mexiko-Klischee liegen. Tatsache ist aber, dass aus unserer Sicht die Stimmung und Atmosphäre im Maya so überhaupt nicht klischeehaft sind, dass die Deko nicht stört. Stattdessen strahlt die rote Wand eine gemütliche Wärme aus und an den überall im Lokal verteilten Tischgruppen und Sesseln sitzt es sich top gemütlich. Noch besser gefallen hat uns jedoch, dass es sich nicht um spießige Gemütlichkeit handelt. Vor allem am Wochenende verwandelt sich das Maya in eine lebendige, clubbige Location. Als Ersti in Bonn würden wir ja einfach schon deshalb hierhin gehen, um jemanden kennenzulernen!

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Da wundert es nicht, dass es hier von Studenten wimmelt und auch das Angebot entsprechend gestaltet ist: Von einer langen Cocktailkarte über Wein, Sekt bis Shots ist alles dabei, auch In-Drinks wie Hugo oder Aperol. Wir als Bierfans konnten uns außerdem über eine Auswahl an 15 Bieren freuen, darunter sogar zwei echte Exoten (Dark Porter, gebraut von einer kleinen Brauerei in Gießen & ein echt mexikanisches Dos Equis). Passend auf das studentische Publikum ausgerichtet gibt es auch die gängigen Bier-Mixes von Becks etc. – wir sind davon keine Fans, aber hier gehört es irgendwie hin.

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Stichwort echt mexikanisch: es gibt im Maya eine recht umfangreiche Speisekarte mit diversen Tapas, Burgern und mehr.

Endgültig überzeugt hat uns dann die Freundlichkeit der Bedienung und ein ganz liebenswertes Detail, das jede Kneipe einführen sollte: immer am Montag darf man um den Preis des ersten Getränks würfeln und mit etwas Glück ist es gar umsonst – ja, umsonst!

Also, für uns steht fest, dass wir trotz langsam historisch werdender eigener Studienzeit öfter ins Maya müssen. Das Maya ist eine tolle studentische Kneipe in Bonn mit viel Stimmung und am Wochenende mit Party-Flair, loungiger Musik inklusive. Hier kann man in Bonn gut ein Bier oder einen Cocktail trinken!

Deshalb unsere Meinung: Diese Bonner Kneipe/ Bar ist für Studenten ein Muss und für alle anderen lohnenswert, wenn es mal etwas chilliger (Mo-Do) oder partyhafter (Fr/Sa) werden soll.

Testtag: Montag

Fass: Krombacher, Sion

Flasche: Dos Equis (Lager/ Amber Ale), Dark Porter, Flensburger, Heineken, Reissdorf, Früh, Becks (auch Mischgetränke), Corona, Desperados, Hofbräu (Weizen, Dunkles, Kristall)

Besonderheiten: Studentisch, ordentliches Cocktail-Angebot, Tex-Mex-Küche

Internet:

Em Höttche/ Zentrum/ Markt

Ihr kennt das „Em Höttche“? Klar, kennt ihr! Eigentlich kann man am schönen „Höttche“ gar nicht vorbei gucken. Es steht ja direkt neben unserem herrlichen Bonner Alten Rathaus. Aber vielleicht habt ihr das Brauhaus trotzdem schon mal übersehen. Es ist nämlich schmal, wirklich schmal. Wir haben uns hereingetraut und den Klassiker näher betrachtet!

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Die Schmale Front des Em Höttche, hinter der sich überraschend viel Raum verbirgt

„Hereintrauen“ ist dabei natürlich Unsinn. Das „Em Höttche“ ist wirklich schön und ein Fest für alle Freunde echter, traditionsreicher Brauhäuser! Begrüßt wird der Gast links vom Bonner Rathaus von der großen Leuchtanschrift „Spezial-Brauereiausschank“ und innen überrascht das Haus mit einer weit in die Tiefe reichenden Geräumigkeit, die von außen nicht zu erwarten ist. Um es auf den Punkt zu bringen: das „Em Höttche“ ist riesig!

Schmale Außenfront, dennoch viel Platz? Genau, innen befindet man sich in einem lang gezogenen Schlauch, der eigentlich aus drei Einzelräumen besteht: einer Art Vorder- und Kneipraum, der Gaststube im Hinterteil und neben dieser in L-Form angewinkelt eine weitere Räumlichkeit für geschlossene Gesellschaften, die separat reserviert werden kann.

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Beethoven und Bonn gehören zusammen: Der junge Ludwig tanzte hier mit seiner Jugendliebe

Die Einrichtung strotzt nur so vom Charme des Alten und Erhabenen, präsentiert sich nobel-hölzern: dunkel vertäfelte Wände, Holzsäulen verzierte mit geschnitzten Figuren (beachtet den Braumeister!) und immer wieder auch die für rheinische Brauhäuser üblichen blau-weißen Porzellankacheln. Das alles wirkt alt und nobel zugleich und steht für ein echtes Brauhaus im Sinne der gutbürgerlichen Gaststube – wer das mag, der wird sich hier pudelwohl fühlen! Gefühlt atmet man dieselbe Luft wie bereits Beethoven und dennoch wirkt das „Höttche“ nicht angestaubt.

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Ziemlich begeistert haben uns die Schnitzereien so wie dieser Brauer – passt ja auch in ein Brauhaus!

Stichwort Beethoven: Bonns berühmtester Sohn ist hier in Form von Bildern, Skulpturen und Erinnerungen fast omnipräsent: Angeblich tanzte der junge Ludwig hier mit seiner Jugendliebe. Ihr seht: das „Em Höttche“ hat Tradition – übrigens eine weit ältere als das benachbarte Rathaus. Im 14. Jahrhundert gegründet, tagte der Bonner Stadtrat 1737-1739 hier, als das Rathaus gerade erst gebaut wurde.

Natürlich wollt ihr auch wissen, was das „Em Höttche“ heute bietet – denn da hat sich ja seit Beethoven einiges getan. Natürlich, hier wurde einst gebraut und sogar gebrannt, aber heute gehört das Höttche zum Gaffel-Konzern. Das zeigt sich auch am Ausschank: es gibt Gaffel-Kölsch vom Fass und sogar der sehr leckere, sehr milde hauseigene Kirschbrand aus Schattenmorellen wird im Hause Gaffel produziert. Brauhäuser können natürlich heute nicht mehr nur ein Kölsch bieten, deshalb finden sich auf der Karte auch ein Pils (Krombacher), ein Weizen (Schöfferhofer) und sogar eine recht umfangreiche Weinsammlung. Dazu passt die Speisekarte und viele Gäste kommen vorwiegend wegen der rheinischen Gerichte, die die Küche bietet.

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Der Obstler im Höttche hat uns voll überzeugt

Bliebe zu klären, wer denn so ins „Höttche“ geht und zu welchen Anlässen es sich lohnt. Hier sei vorweggeschickt, dass das „Höttche“ trotz der Bezeichnung als Brauhaus heute eher wie in ein traditionsreiches gutbürgerliches Restaurant wirkt. Dementsprechend ist auch das Publikum eher älter, man kommt zum Essen bei Kölsch oder Wein. Wer das sucht, ist hier goldrichtig. Auch Stammtische, Kartenspielrunden oder Vereinstreffen können wir uns hier wunderbar vorstellen. Und Touristen sowie Gäste Bonns sollten hier auf jeden Fall einkehren, wenn sie sich fragen, was man in Bonn auf jeden Fall gesehen haben muss oder wo man in Bonn ganz traditionell rheinisch essen kann.

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Rustikal-gemütlich: hier lässt es sich gut ein Bier trinken – allerdings kommt der Gast eher zum Essen hierhin

Weniger gut vorstellen können wir uns, dass man im „Höttche“ einen klassischen Kneipenabend durchzecht. Das geht natürlich, aber die Restaurant-Atmosphäre überwiegt und diese ist nun mal keine echt kneipige Stimmung. Dazu passt, dass es keine eigentliche Theke mehr gibt, an der es sich charmant klönen ließe. Die etwas zu tralala-angehauchte, seichte Popmusik im Hintergrund verstärkt diesen Eindruck. Aber das macht ja auch nichts, jedes Haus hat nun einmal seine eigene Ausrichtung.

Was empfehlen wir euch also? Für den richtigen Anlass ist das „Höttche“ auf jeden Fall das richtige Lokal: Die Einrichtung ist umwerfend und wird alle Brauhaus-Freunde begeistern, man atmet Tradition und rheinisch essen in Bonn ist hier schön möglich.

Deshalb unsere Meinung: Optisch schöner Klassiker für das gemütliche, ruhige Kölsch bei rheinischer Küche

Testtag: Sonntag

Fass: Gaffel, Krombacher

Flasche: Schöfferhofer

Besonderheiten: Leckerer hauseigener Obstler

Internet: www.em-hoettche.de

Milchhäuschen/ Königswinter/ Siebengebirge

Heute wollen wir den Blick mal wieder ins Bonner Umland richten, denn nachdem das Wetter immer wärmer wird, zieht es vielleicht den einen oder anderen zu Wanderungen ins Siebengebirge. Dort gibt es gleich mehrfach die Möglichkeit, einen Zwischenstopp mit Brotzeit einzulegen, z.B. auf dem Drachenfels, auf dem Ölberg oder nahe der Löwenburg. Wir wollen euch jedoch einen möglichen Rastplatz abseits der sieben namensgebenden Berge empfehlen, nämlich das Milchhäuschen im Siebengebirge.

Milchhäuschen Siebengebirge

Das Milchhäuschen liegt aus Königswinter kommend etwa drei Kilometer das Siebengebirge bergauf steigend – wir hatten den Weg über das Nachtigallental gewählt, aber es gibt auch andere Aufstiege. Nach einem anspruchsvollen, steilen Anstieg gelangt man hier auf eine kleine Lichtung, in deren Mitte sich eine Art altes Gutsanwesen befindet – das Milchhäuschen. Die Bäume ragen dicht an das Gebäude heran und man sitzt angenehm geschützt und wie wir fanden auch weniger touristisch als an anderen Stellen des Siebengebirges, obgleich natürlich auch das Milchhäuschen Anziehungspunkt für Wanderer ist, aber es wirkt hier etwas ruhiger, beschaulicher und weniger massentouristisch.

Milchhäuschen Siebengebirge

Natürlich steht der Service an warmen Sommertagen vor einer logistischen Herausforderung, vor allem da es zwei getrennte, große Außenbereiche gibt, aber wir haben gute Erfahrungen gemacht: obwohl wir an einem sonnigen Sonntag mit vielen anderen Wanderern in einem vollen Milchhäuschen zu Gast waren, war die Bedienung schnell und freundlich und fand sogar noch Zeit für ein paar Informationen über das Haus und seine Geschichte.

Nachweisbar ist ein gastronomischer Betrieb an dieser Stelle mindestens schon seit den 1920er Jahren – bis hierhin lassen sich Bilder finden –, aber vermutlich befand sich in dem Haus, das tatsächlich einmal Hofanlage mit Ausschank für Wanderer war, schon viel früher eine Raststation. Später, den der dunklen Zeit des Dritten Reichs und vor allem in den letzten Kriegswochen, wurde das Haus dann übrigens aufgrund seiner versteckten Lage als Lager genutzt. Im Haus selber finden sich noch einige alte Bildansichten aus Bonn und dem Siebengebirge in den Zwischenkriegsjahren.

Heute kann der Gast hier im Sommer auf reichlich Fläche außen Sonne oder Schatten genießen, aber auch die Innenräume stehen zur Verfügung und können auch zu Hochzeiten und anderen Feiern separat gemietet werden. Innen ist das Flair gutbürgerlich, hölzern und gediegen, ohne zu dunkel zu wirken, so dass sich Gesellschaften hier wohlfühlen sollten.

Milchhäuschen Siebengebirge

Aus unserer Sicht ist es bei einem klassischen Touristenziel verzeihlich, dass die Karte keine konkrete Spezialisierung erkennen lässt – dafür ist der Durchlauf zu hoch und natürlich ist auch das Milchhäuschen ein Lokal für Wandertouristen und als solches solide, aber eben kein Gourmettempel. Aber vom Frühstück über das Schnitzel bis zu Saftschorle, Buttermilch mit Sirup und natürlich zwei Bieren (Krombacher, Sion) wird alles geboten, nur ohne herausragende Bonmots – aber wer will es einem Wanderergasthaus verdenken?

Deshalb unsere Meinung: ein schönes Ausflugsziel in herrlicher Lage mitten im Wald, aus unserer Sicht die schönste Ausflugsalternative im Siebengebirge

Testtag: Sonntag

Fass: Krombacher, Sion

Flasche: Krombacher Weizen

Besonderheiten: nicht direkt mit dem Auto anfahrbar

Internet: www.milchhaeuschen.de

Lamme/ Südstadt/ Argelanderstraße

Das Lamme (früher Lamme Goedzak) in einem Kneipenblog? Zugegeben, diese Kneipe in Bonn ist eigentlich keine, sondern geht eher in Richtung Bistro oder Restaurant. Wie so viele Lokale in der Bonner Südstadt werden hier Speisen und Getränke angeboten und bei ersteren reicht die Auswahl vom Frühstück über das Mittagsangebot bis hin zur Abendkarte mit Pasta und Pizza, einigen indischen Gerichten, aber auch Klassikern. Deshalb sehen wir das Lamme auch eher als Ausgeh-Option für den netten Abend bei einem Cocktail oder einem Glas Wein, vielleicht sogar zu einem ersten Date, dafür böte sich das Lamme sicherlich an (…und so waren wir nicht verwundert, hier an netten Zweiertischen viele Pärchen anzutreffen).

Lamme (1)

Die Atmosphäre ist schick und ruhig, in diesem alten Südstadt-Eckhaus finden sich noch die beeindruckenden Stuckdecken, dazu thront ein imposanter Leuchter im vorderen der zwei leicht voneinander abgetrennten Räume und durch große Bogenfenster eröffnet sich der Blick auf Argelander- und Schlossstraße, so dass man hier wunderbar den Menschen der Bonner Südstadt beim Flanieren zusehen kann. Dabei sitzt man auf bequemen Ledersofas, die die Wand umschließen, oder auf Holzstühlen an Holztischen mit schön gewundenen Jugendstil-Eisenfüßen. Im Sommer besteht auch die Möglichkeit, im von einer Hecke eingefriedeten Außenbereich zu sitzen und von dort das Südstadtflair zu genießen.

Lamme (2)

Das Lamme ist also eigentlich ein stimmiges Lokal, deshalb ist unsere jetzt folgende Kritik auch etwas ungerecht, denn wenn wir aus Kneipensicht schauen, dann bewerten wir etwas, was das Lamme gar nicht sein will – eine Kneipe.

Für den reinen Bierabend ist die Atmosphäre aus unserer Sicht nämlich zu ruhig und auch die Bierauswahl ist – höflich gesprochen – so spannend und abwechslungsreich wie ein Parteitag der chinesischen KP: Krombacher (Pils und Weizen), Früh vom Fass, aus der Flasche Becks und einige Becks-Mischgetränke, Heineken und (oh fröhlicher Lichtblick!) Scheider Weisse dunkel.

Ach ja, Lamme Goedzak war übrigens der Gefährte von Till Eulenspiegel – allerdings wissen wir nicht, ob die Lehrer der benachbarten Till-Eulenspiegel-Schule hier wirklich regelmäßig einkehren…

Deshalb unsere Meinung: keine Kneipe und deshalb für einen Bierabend eher ungeeignet, aber für einen schickeren Abend bei Essen und Wein ein gute Option

Testtag: Freitag

Fass: Krombacher, Früh

Flasche: Becks, Heineken, Schneider Weisse

Besonderheiten: —

Internet: