Kunstrasen (Kunstgarten)/ Gronau/ Rheinaue

In Zeiten, in denen meckernde Anwohner das Bild des Bonner Nachtlebens bestimmen und die Lärmmotzkis Bonn in eine Stadt der Friedhofsruhe verwandeln, ist ein Betrag über den Kunstrasen in der Bonner Rheinaue mehr als angebracht, vielleicht sogar notwendig. Denn bevor unser schönes Bonn endgültig zur Schlafstadt wird, sollten alle Ausgehfreudigen zusammen die ohnehin schon raren Events und Orte mit besonderem Charakter unterstützen. Als Kneipenblog wollen wir allerdings nicht die (tollen!) Veranstaltungen und Konzerte des Kunstrasens vorstellen, sondern den neben liegenden Biergarten Kunstgarten betrachten. Auch hier gibt es übrigens Konzerte, selbst wenn die eigentliche Kunstrasen-Reihe mit den ganz großen Acts abgeschlossen ist (für eventuellen Eintritt bitte die Homepage unten befragen).

Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue  Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue

Der Kunstgarten wendet sein Gesicht etwas vom Rhein ab und nutzt die Seenlandschaft der Bonner Rheinaue als Chillfläche für alle, die Sommergefühl suchen. Am aus Stadtsicht vordersten, nördlichsten See der Rheinaue befinden sich die etwas an Skihütten erinnernden Ausschankgebäude des Kunstgartens sowie die kleine Bühne und auch eine Hüpfburg für Kinder. Man blickt dabei angenehm auf den See und über den Bäumen grüßt die Spitze des Post-Towers.

Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue  Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue

Vielleicht ist die Lage am See etwas weniger spektakulär als andernorts die Lage am Bonner Rhein, aber der Kunstrasen/ Kunstgarten gleicht dies mit chilliger Gesamtatmosphäre gelungen aus. Neben Strandliegen, Bierbänken und Holztischgarnituren gibt es auch hölzerne Sitzecken im Wohnzimmer-Stil.Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue

Auch die Getränkeauswahl überzeugt in allen Bereichen und die Organisatoren scheinen sich gezielt an jüngere Gäste richten zu wollen, denen die normale Durchschnittscola oder das 08/15-Kölsch nicht mehr ausreichen. So gibt es im Biersegment neben Veltins auch dessen Sonderedition Grevensteiner, außerdem Maisel´s Weisse und Büble aus dem Allgäu und ganz bönnsch auch Muffengold aus Bonn Muffendorf – das haben wir lange nicht mehr irgendwo gesehen. Aber da Bier in einer solchen Location nicht alles sein kann, gibt es auch Wein, Sekt, Energy- und Mix-Drinks sowie einige Sommer-Cocktails. Wir finden, das passt alles stimmig ins Konzept. Gegessen werden kann übrigens auch, es gibt Burger, Flammkuchen, Salate, Pasta und Pizzen. Und müssten wir etwas Wasser in den Wein gießen, dann gäbe es lediglich die Preise zu kritisieren, denn die liegen eher einen Euro höher – was wir jedoch auf Grund der Lage, der kostenintensiven Aufbauten und dem reinen Sommerbetrieb durchaus verstehen. Geöffnet ist übrigens bis in den Oktober hinein – hierzu jedoch bitte die Webseite des Kunstrasens konsultieren (Link unten).

Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue  Biergarten Kunstrasen Bonn Rheinaue

Deshalb unsere Meinung: Hingehen! Flagge zeigen gegen die unsägliche Beschwerde-Kultur in Bonn!

Testtag: Donnerstag

Fass: Veltins, Muffengold

Flasche: Grevensteiner, Büble, Maisel´s Weisse

Besonderheiten: Biergarten des Kunsrasen Bonn – reiner Sommerbetrieb

Internet: www.kunstrasen-bonn.de

PS: natürlich kann man auch wunderbar zum Kunstrasen Bonn radeln, deshalb haben wir den Biergarten auch in unsere Bonner Biergarten-Radtour am Rhein aufgenommen.

 

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Herr Lehmann/ Zentrum/ Budapester Straße

Herr Lehmann, Roman- und Titelheld von Sven Regener, betreibt jetzt also seit Oktober 2014 eine Kneipe in Bonn… Nein, natürlich nicht, aber der Besitzer von James Joyce und Shamrock hat in seinem neuen Lokal die bekannte Figur als Patron gewählt. Guter Wurf, möchte man meinen, klingt hip und kneipig zugleich! Dazu befindet man sich hier auch noch in gut gewählter Lage am oberen Ende der Thomas-Mann-Straße (postalisch Budapester Straße), also an der Schnittstelle zwischen Zentrum und Altstadt und damit auch gekoppelt an gute Bahnanbindungen zur 66 und 62 – klingt also erst einmal sehr solide!

Herr Lehmann (1)

Dennoch möchten wir ein wenig Kritik üben, denn ganz so stimmig wie der erste Anschein vermittelt, ist das Konzept nicht. Werfen wir dazu erst einmal einen Blick auf Außen- und Innenambiente: An gelb gestrichenen Klinkern findet sich auf großer Front mehrfach der hell angeleuchtete Schriftzug „Herr Lehmann“ in schicken schwarzen Lettern, was unbestreitbar zum Besuch einlädt. Leider fielen einige Buchstaben entweder Dieben oder einer schlechten Verarbeitung zum Opfer – die Schrift bröckelt nämlich schon. Schade! (Oder ist das gewolltes Design? Erkannt hätten wir es nicht…) Innen betritt man entgegen der Erwartungen, die die Kenntnis des Romans weckt, eigentlich keine Kneipe, sondern eher eine Mischung aus Lounge, Bar und Burger-Restaurant. Der große Raum liegt in gedämpft blauem Dämmerlicht, an großen quaderförmigen Stehtischen und massiven Hockern entsteht dazu ein schönes Bar-Feeling, abgerundet von einer Theke im gehobenen Stil sowie einer schönen Jugendstilsäule, die erhalten wurde, dabei den Raum majestätisch thronend angenehm dominiert und das Gefühl unterstreicht, sich im gehobenen Ambiente zu bewegen. Selbiges gilt für die clubbige Musik. Hier wurde auf jeden Fall Zeit, Geld und Mühe investiert. Aber zum Herr Lehmann des Romans und seiner Berliner Eckkneipe passt das nicht. Zudem verlangt die Größe des Lokals eine gewisse Anzahl an Gästen, sonst fühlt man sich schnell verloren.

Herr Lehmann (2)

Wenn wir als zweites auf die ausgeschenkten Speisen und Getränke schauen, bleiben wir ebenso zwiegespalten: die Biere sind mit Jever, Peters Kölsch, San Miguel und Maisel´s Weisse bekannte Marken, teils lecker, teils austauschbar. Aber mit Maisel´s Pale Ale wird auch Mut zum Neuen bewiesen. Die Ausrichtung im „Herr Lehmann“ zielt natürlich nicht auf die Bierkarte, sondern auf das akzeptable Whisky- und Gin-Sortiment sowie zur großen Auswahl an Cocktails, was ja auch zur Einrichtung als Bar passt. Und so finden sich auch in beiden Bereichen einige hochwertige Vertreter der Gattung im Regal (z.B. ein Monkey 47). Aber die Auswahl ist klein und wer nicht fragt, der bekommt den günstigen 08/15-Klassiker (beim Gin der Gordon, der jedoch preislich nicht günstiger ausfällt!). Hier sollte aus unserer Sicht das Personal nachgeschult werden. Und wir hatten hinsichtlich der von und bestellten Gin-Tonics noch ein zweites kritisches Erweckungserlebnis: der Tonic kommt in der Blechdose an den Tisch. Na ja, da geht mehr, eine feine kleine 0,2er-Flasche, handelsüblich in jedem besseren Getränkemarkt erhältlich, hätte deutlich besser zum gehobenen Eindruck des Hauses gepasst, wenn man sich denn schon die (lobenswerte!) Mühe macht, Gin und Tonic getrennt zu servieren. Das ist also nicht ganz stimmig und auch wenn die Karte noch provisorisch ist, lässt sich doch eine Tendenz ablesen.

Herr Lehmann (3)

Bleibt der Blick auf die Speisekarte: Hier liegt der Schwerpunkt auf Burgern, also ein gerade angesagter Klassiker für den Ausgehabend und das zu fairen Preisen von 9,- bis 10,- Euro für Burger und Getränk. Gute Sache! Allerdings schließt die Küche um 22.00 Uhr, obgleich das Zubehör-Set um Besteck und Soßen den Tisch auch danach unnötig großflächig okkupiert. Wir waren übrigens erst um 22.20 vor Ort, also können wir die Burger nicht beurteilen…

Was ist also die Tendenz des Bonner „Herr Lehmann“? Um es mit Barney Stinson zu formulieren: „New is always better“ – wir begrüßen also die Neuerung an sich und jedes neue Lokal bereichert unser Bonn! Aber die Mischung aus kneipiger Namensanspielung, Lounge, Bar und Burgerschmiede ist noch nicht ganz ausgefeilt. Oder, um es mit dem Romanhelden Herr Lehmann selber zu sagen: „Ich gehe erst einmal los […]. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben!“

Deshalb unsere Meinung: noch etwas unausgegoren, aber durchaus eine Bereicherung

Testtag: Freitag

Fass: Jever, Peters, San Miguel

Flasche: Maisel´s Weisse (Weizen, Dunkel, Kristall), Maisel´s Pale Ale

Besonderheiten: unbedingt mal die Toiletten ansehen!

Internet: http://www.herrlehmann.bar (führt leider z.Zt. zur Facebook-Seite…)

Zebulon/ Zentrum/ Stockenstraße

Zebulon war einer der Söhne Jakobs im Alten Testament und ähnlich weit reicht auch die Historie der gleichnamigen Bonner Kneipe zurück: seit über 30 Jahren gibt es das Lokal nun schon an der Ecke Stockenstraße/ Franziskanerstraße. Wer sich auskennt, dem wird auffallen: das Zebulon ist Teil des Viktoria-Carrés in Bonn. Wir schrieben bereits in unserem Bericht über das Café Blau von den Abrissplänen – hier ist also wieder ein Bonner Traditionslokal bedroht. Die Bedienung im Zebulon bleibt jedoch noch entspannt: bürokratische Mühlen mahlen langsam. Hoffen wir es!

Zebulon Bonn Kneipe

Das Zebulon war und ist eine Studenkneipe mit leicht linken Einschlag. Das Innere liegt stets in gedämmtem Licht und zeugt von der klassischen Kneipenranzigkeit vieler durchzechter Nächte – obwohl mittlerweile alles einmal einen neuen Anstrich erhalten hat und seither etwas heller wirkt (unsere Bilder stammen leider noch aus der Zeit davor…). Das Zebulon ist also eher kein Lokal, um die Tochter aus gutem Hause beim ersten Date zu einem Cocktail einzuladen. Hier findet sich vielmehr ein echter Studentenladen für lange Nächte, gemütliche Biere, klönen und die Welt Welt sein lassen. Und dazu würde kein anderes Ambiente passen. Das Publikum besteht hier direkt hinter dem Uni-Hauptgebäude aus vielen Studenten, aber natürlich auch aus all den vergangenen Studentengenerationen der letzten dreißig Jahre – eine gute Mischung.

Zebulon (1) Zebulon (2)

Richtig begeistert waren wir von der Bierauswahl, insbesondere der vom Fass: fünf Fassbiere, darunter ein Alt und zwei irische Biere, das hat nun wirklich nicht jeder! Peters, Bitburger, Frankenheim Alt, Guinness und Kilkenny werden angeboten.

Zebulon (3)

Deshalb unsere Meinung: Guter Laden – Kneipe im Sinne des Wortes!

Testtag: Freitag

Fass: Peters, Bitburger, Frankenheim Alt, Guinness, Kilkenny

Flasche: Peters, Bitburger, Beck`s Gold, Maisel`s Weisse (auch Dunkel und Kristall)

Besonderheiten: Studenten-Klassiker!

Internet:

 

Luxx/ Altstadt/ Kölnstraße

Wir werden alt und am Luxx haben wir es gemerkt. Bei der Überlegung, wie wir diese Kneipe denn nun finden, wollten wir gerade kritisch motzen, doch das wäre nicht ganz gerecht. Denn das Luxx richtet sich einfach weniger an eine Kundschaft über 30, sondern scheinbar an ein jüngeres, studentisches Publikum.

So erklärt sich, dass das Luxx eher als Cocktailbar und weniger als Kneipe daherkommt, in ein sehr rotes Licht getaucht ist und junges Flair versprühen will. Wir fanden das allerdings in der Umsetzung nicht wirklich gelungen und eindeutig zu unbestimmt. Das liegt vor allem an der gewagten Mischung aus undefinierbaren südamerikanischen Deko-Elementen an den Wänden kombiniert mit Rock-Hinweisen (Gitarren). Dazu speilt Musik der 1980er. Keine wirklich überzeugende Mischung für eine Cocktailbar. Auch der lange, schlauchförmig Kneipraum strahlt kaum Gemütlichkeit aus und die sehr großzügig Bestuhlung mit viel zu vereinzelt stehenden Tischen macht das nicht besser.

Die Getränkeauswahl fanden wir unbestimmt bis unbestimmbar: Laut Karte schenkt das Luxx Kurfürsten-Kölsch und Jever vom Fass aus, dazu aus der Flasche Maisel’s Weisse und mit Veltins ein weiteres Pils. Das ist ok, aber auch nicht mehr. Wirklich überrascht hat uns, dass das bestellte Jever in einem Bitburger-Glas serviert wurde und auch ungewöhnlich seicht schmeckte. Nun ja, vielleicht war unser Geschmack von den Nachwehen einer Erkältung getrübt.

Und weshalb wir das alles jetzt nicht wirklich kritisieren mögen? Ganz einfach: wir hatten das Gefühl, dass alle unsere Kritikpunkte die anwesenden jüngeren Gäste um die 20 rein gar nicht interessierten und sich vielmehr alle wohlfühlten.

Deshalb unsere Meinung: jedem Tierchen sein Pläsierchen – eher für jüngere Gäste

Testtag: Freitag

Fass: Kurfürsten, Jever

Flasche: Maisel’s Weisse, Veltins

Besonderheiten: eher Cocktailbar

Internet: http://www.luxx-bonn.de

Luxx (2)

Luxx (5)

Kater 26/ Castell/ Römerstraße

Warum bloß Kater 26? Die Frage erschien uns mehr als berechtigt und so haben wir gefragt: für den Kater am Tag danach… 😉

Aber unser Gespräch mit der tschechischen Wirtin erklärte auch, weshalb der Kater an der Römerstraße (ja, in Nummer 26…) drei tschechische Biere (Fass Pilsener Urquell, Flasche Gambrinus und Krusovice) ausschenkt und dazu auch tschechischen Schnaps (Sliwowic natürlich) und tschechische Weine bietet. Ach wenn man es nicht erwartet: der Kater 26 ist so etwas wie die tschechische Botschaft in Bonn!

Kneipe Kater 26 Bonn Castell

Stichwort Wein: überhaupt kommt der Kater im Gewand eines Weinlokals daher. Die Weinkarte ist reich an Auswahl und auch die Einrichtung ist elegant gehalten, bestehend aus dunklen Holztischen, einigen Stehtischen mit hohen Sitzhockern, viel Leder, viel Kerzenlicht und – schön! – einem Klavier in der Ecke. Umrahmt wird das Ambiente von ruhiger, langsamer Musik (Sinatra…) – alles in allem eine sehr stil- und liebevoll eingerichtete Kneipe (die wir insgesamt dann doch als Kneipe und nicht als Weinhaus sehen…).

Witzig fanden wir die Idee, den großen Flachbildschirm mit einem Bild zu überhängen, wenn er nicht gebraucht wird. TV nur bei Großereignissen mögen wir in Kneipen immer!

Wer nun übrigens glaubt, dass sich Wein und tschechischer Eindruck ausschließen, der sei eines besseren belehrt: Tschechien verfügt über nicht zu verachtende Weinanbaugebiete.

Neben den oben genannten Bieren gibt es übrigens auch ganz klassisch Reissdorf und Bitburger vom Fass und aus der Flasche Maisel´s Weisse, Dunkel und Kristall. Sehr lobenswert herausgehoben sei übrigens, dass alle Biere in den passenden Gläsern der jeweiligen Brauerei ausgeschenkt werden. Auch hier zeigt sich Liebe zum Detail. Die Karte bietet natürlich noch weiteres, z.B. eine kleine Auswahl an Whisky, aber hier eher das gewöhnliche Sortiment wie Tullamore Dew etc.

Für den, dem Getränke und Atmosphäre nicht genügen, stehen ganz klassisch Schachbretter bereit. Auch das hat uns gefallen, den derartige Klassiker scheinen in Kneipen immer mehr auszusterben.

Deshalb unsere Meinung: Liebevoll betriebene inoffizielle tschechische Botschaft in Bonn – charmant und besuchenswert!

Testtag: Sonntag

Fass: Pilsener Urquell, Bitburger, Reissdorf

Flasche: Gambrinus, Krusovice Dunkel, Maisel (Weizen, Dunkel, Kristall)

Besonderheiten: tschechische Kneipe, große Weinkarte, Tagesangebote (siehe Bild)

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